26.05.1998 | "Künstlerische Auseinandersetzung mit Umwelt kann vielleicht mehr bewirken als

"Deutsche Landschaft" von Heiner Altmeppen in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt - Konflikt zwischen Nutzung und Schutz der Umwelt

Osnabrück. "Ein Bild legt einen Keim für die Auseinandersetzung mit unserer Kultur, mit der Landschaft unserer Umgebung und mit den Einflüssen menschlichen Handelns. Diese künstlerische Auseinandersetzung mit der Umwelt kann vielleicht mehr bewirken als das bloße Wissen um einzelne Fakten." - Mit diesen Worten präsentierte heute in den Räumen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück Dr. Sigurd Lehmann-Tolkmitt, Mitglied des Kuratoriums der größten Umweltstiftung Europas, erstmals einer breiten Öffentlichkeit das Wandgemälde "Deutsche Landschaft", das der in Leer in Ostfriesland geborene Künstler Heiner Altmeppen im Auftrag der Umweltstiftung in vierjähriger Arbeit geschaffen hatte. Nach Edgar Endes "Der Wald verläßt die Erde", das die Stiftung Ende 1996 angekauft hatte, handelt es sich bei Altmeppens Werk um die zweite große künstlerische Arbeit, die sich mit der Thematik der Stiftung visuell auseinandersetzt und in ihrer Geschäftsstelle zu sehen ist, wie Generalsekretär Fritz Brickwedde betonte.

In seinem großformatigen Werk "Deutsche Landschaft" (Acryl auf Leinwand, 190 x 320 cm) setzt sich der Künstler Altmeppen, unter anderem ausgezeichnet mit dem 1. Publikumspreis der 69. Herbstausstellung des Kunstvereins Hannover (1983) und dem 2. Preis des art-Wett-bewerbs "Deutsche Landschaft heute" (1984), mit der täglichen Suche um einen tragfähigen Kompromiß zwischen dem Schutz und der Nutzung der Natur in einer Kulturlandschaft und Industriegesellschaft auseinander.

Mit seinem fotografisch genau anmutenden Realismus zeichnet Altmeppen - unbeeinflußt von seinem Auftraggeber, aber inspiriert von dessen Aufgabe - das Bild einer Gegenwart, in der sich zwar die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen widerspiegelt, die aber auch Hoffnung darauf läßt, daß der Mensch durch einen verantwortlichen Umgang mit der Zivilisation einer natürlichen Umwelt ihren Raum erhält. Ein Werk, das Dr. Achim Sommer, Leiter der Kunsthalle in Emden, in der die Werke Altmeppens vom 27. Juni bis 18. Oktober 1998 ausgestellt sein werden, als "zweifelsohne einen Höhepunkt im bisherigen Schaffen des Künstlers" bezeichnet.

Während der Präsentation des Wandgemäldes heute in Osnabrück betonte Dr. Lehmann-Tolkmitt, Umweltschutz und -vorsorge könnten auf Dauer nur gelingen, wenn möglichst viele Bürger eine umweltbewußte Grundhaltung entwickelten und bereit seien, aktiv an der Gestaltung der Welt mitzuarbeiten. Umweltbildung sei ihrem Wesen nach immer auf eine Veränderung von Verhaltensweisen gerichtet und beschränke sich nicht auf reine Wissensvermittlung. Vielmehr werde sie als ein ständiger, lebenslanger Prozeß verstanden, bei dem der Einzelne und die Gemeinschaft zunehmend ein Bewußtsein von ihrer Umwelt erlangten und zudem Wissen, Werthaltung, Fähigkeiten und Erfahrungen erwerben würden. Lehmann-Tolkmitt: "Die künstlerische Auseinandersetzung mit der Umwelt liefert hierzu einen wertvollen Beitrag."

Zuvor hatte Prof. Dr. Heinz Spielmann, Direktor des Landesmuseums Schleswig Holstein, Schloß Gottorf, den zahlreichen Gästen das Werk Altmeppens inhaltlich nähergebracht. Dabei betonte er, es habe angesichts des Bildgegenstandes und seiner Bedeutung zwar nahegelegen, daß es zu Absprachen zwischen Auftraggeber und Maler gekommen sei. Tatsächlich sei Altmeppen aber frei in der Wahl von Gehalt und Form, in Darstellung und Deutung geblieben. Diese Freiheit habe er genutzt für ein Bild "ganz nach eigener Intention".

Auf der Basis von rund 60 Fotos aus der näheren und weiteren Umgebung seines Wohnortes in der Pfalz sei ein Gemälde entstanden, das dennoch mehr als Gleichnis denn als bloßes Abbild, mehr als allgemeine Vorstellung der Struktur von Welt und Gesellschaft denn als bloße topographische Festlegung zu verstehen sei. Das heiße aber nicht, daß auf dem Gemälde Anzutreffendes erfunden wäre. Schließlich habe Altmeppen ja selbst gesagt, daß das, was an Einbrüchen in eine gewachsene Kulturlandschaft zu sehen sei, in seiner grotesken Erscheinung nicht zu erfinden sei.