Osnabrück. Wie baut man einen Beobachtungsstand in der Natur, der auch mit dem Rollstuhl benutzbar ist? Wie konstruiert man einen Holzbohlenweg durch Salzwiesen oder durch Moorgelände, auf dem blinde Wanderer nicht abstürzen? Wie übersetzt man den Begriff "Nachhaltigkeit" in leichte Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten? Wie kann man also generell mehr "Barrierefreiheit" im Naturerlebnis und in der Umweltkommunikation erreichen? Das Gemeinschaftsprojekt
"Natur für alle!" der
Lebenshilfe Wittmund e.V. und des
Regionalen Umweltzentrums Schortens - RUZ e.V., das von der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der
Niedersächsischen Wattenmeer-Stiftung gefördert wird, hat sich dieser Fragen angenommen und "Planungshilfen zur Barrierefreiheit" erarbeitet. "Barrierefreiheit" ist ein innovatives Architektur- und Gestaltungsprinzip, das den häufigen Ausschluss behinderter Menschen vermeidet und immer "für alle" plant. Die DBU unterstützte die Erstellung eines Planungsordners mit 50.000 Euro.
Tagung im ZUK stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vorAm 19. Februar 2003 wurden diese Projektergebnisse im
Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) in Osnabrück vor rund 70 Fachleuten der Umweltbildung und der Behindertenarbeit aus den drei Ländern Deutschland, Dänemark und den Niederlanden präsentiert. Bislang hat das Projekt fünf Planungshilfen erstellt, unter anderem zu barrierefreien (Vogel-)Beobachtungsständen, Möglichkeiten der Strand- und Wassererkundung sowie der Gestaltung barrierefreier Wanderwege. Bis zum Projektende im April 2003 sollen zwei weitere Hefte vorgelegt werden. Alle Hefte sind dann in einem Sammelordner verfügbar, der auch eine CD-ROM enthält. Im Internet werden die Ergebnisse unter der eigenen Homepage www.natur-fuer-alle.de nachzulesen sein.
Barrierefreies Webseiten ebenso Thema wie besondere Ausstellungskonzepte
Neben der Präsentation der Planungshilfen berichteten Fachleute aus Texel, sowie den Nationalparken Niedersächsisches Wattenmeer und dem Hainich über ihre Initiativen zur barrierefreien Gestaltung des Naturerlebnisses. Auf großes Interesse stießen auch die Informationen über barrierefreies Webdesign und die Konzeption von Ausstellungen. Abschließend wurden die Möglichkeiten der weiteren Zusammenarbeit und der stärkeren Vernetzung diskutiert. Insbesondere soll die Zusammenarbeit mit EUROPARC, dem Dachverband der Nationalparke in Deutschland und mit vergleichbaren internationalen Initiativen, wie etwa dem niederländischen Projekt
Natuur zonder drempels"" verstärkt werden.
Ausstellung im ZUK als Beispiel für ein weitestgehend barrierefreies Konzept
Ein Beispiel für eine weitestgehend barrierefreie Ausstellung ist die Biotechnologie-Schau "Faszination Biotechnologie", die noch bis November in der Räumen des ZUK zu erkunden ist. Führungen für gehörlose und blinde Besucher sind hier ebenso eingeplant wie die über die gesamte Fläche rollstuhlfreundliche Konzeption. "Es ist wichtig, allen Menschen Umweltbildung erfahrbar zu machen. Viel zu oft werden hierbei körperlich benachteiligte Menschen vergessen, denen schon kleinste Planungsfehler den Zugang zu präsentierten Informationen unmöglich machen", erläuterte Dr.-Ing. E. h. Fritz
Brickwedde, Generalsekretär der DBU.