Ochtrup / Osnabrück. Für 30 arbeitslose Jugendliche aus der
niederländisch-deutschen Grenzregion, die aufgrund verschiedener
Benachteiligungen eigentlich keine Chancen hätten, auf dem Arbeits- oder
Ausbildungsmarkt ohne Hilfe von außen Fuß zu fassen, sollen mit einem neuen Projekt nun doch Perspektiven für
eine berufliche Zukunft geschaffen werden. Knapp 200.000 Mark bewilligte heute die
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) dem Verein Stiftung
Grenzüberschreitende Berufsausbildung in Ochtrup für seine
Umwelt-Jugendwerkstatt, um damit arbeitslosen jungen Menschen durch ein
berufspraktisches Jahr den Wechsel in Berufe des Umweltbereichs zu ermöglichen.
Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (Nürnberg) werde
bis Anfang des nächsten Jahrzehnts der Anteil der Arbeitsplätze für ungelernte
Arbeitskräfte am Arbeitsmarkt von jetzt 20 Prozent um etwa die Hälfte schrumpfen, betont
der Generalsekretär der Stiftung, Fritz Brickwedde, in einer Pressemitteilung. Das bedeute
für diesen Personenkreis faktisch einen Arbeitsplatzabbau von rund einer Million, womit der
Start ins Arbeitsleben für Jugendliche ohne Berufsausbildung immer schwieriger werde. Vor
diesem Hintergrund wolle die Stiftung etwas für die Förderung des beruflichen
(Wieder-)Einstiegs jugendlicher Arbeitsloser mit vornehmlich praktischer beruflicher
Orientierung im Umweltbereich tun, ihnen Wissen vermitteln und damit die Chancen auf
einen Berufseinstieg im Umweltbereich erhöhen.
Da es sich hier um eines der zentralen Themen unserer Zeit handele, habe er, Brickwedde,
die 40 Direktoren von Arbeitsämtern in Deutschland angeschrieben, in denen die landesweit
höchsten Arbeitslosenquoten Jugendlicher registriert werden, und ihnen Unterstützung
durch die Stiftung angeboten. In einigen Modellprojekten mit einem deutlichen Schwerpunkt
in der praktischen Fortbildung von Jugendlichen in der Umweltbranche (Abfallwirtschaft,
Recyclingunternehmen, Ver- und Entsorgung, Stadtwerke, Umweltbildungseinrichtungen,
Denkmalschutz) sollten durch die Stiftung über einzelne Projekte wichtige Erfahrungen
gesammelt werden, die dann in ein großes Förderprojekt der Stiftung münden könnten. In
diesem Zusammenhang sei auch die Förderung des nun bewilligten Projektes in der
niederländisch-deutschen Grenzregion zu sehen.
Um dessen Projektziel zu erreichen, sollten die Jugendlichen zunächst an die Anforderungen
in der Arbeits- und Berufswelt gewöhnt, ihre beruflichen Kenntnisse und Fertigkeiten
aufgefrischt beziehungsweise erweitert und damit schließlich eine Verbesserung ihrer
Berufschancen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Umweltbereich erhöht werden.
Dabei baue das Konzept auf eine Kombination von berufsbezogenem Unterricht und
betrieblichem Praktikum. Neben einem soliden, fachbezogenen Unterricht nehme die
sozialpädagogische Betreuung einen sehr hohen Stellenwert ein. Während des Unterrichts
und in regelmäßigen Einzelgesprächen werde gemeinsam mit den Jugendlichen eine stabile
Arbeitsbasis auf der Grundlage gemeinsamer Ziele und stützender Gruppenkontakte
entwickelt.
Neben dem theoretischen und praktischen Unterricht lege der Lehrgang insbesondere Wert
auf eine sorgfältige, individuelle Vorbereitung, Durchführung und Betreuung der
Praktikumsphasen, weil die Jugendlichen hier oft zum erstenmal mit beruflicher Realität
konfrontiert würden. Mit Hilfe der Lehrgangsleiter und der Gruppe sollten sie lernen, sich
diesen Anforderungen zu stellen und daran zu wachsen. Brickwedde: "Der kontinuierlich
enge Kontakt zwischen dem Träger, den Betrieben und den Jugendlichen soll dabei in allen
Phasen des Lehrgangsverlaufs gewährleisten, daß auftretende Probleme konstruktiv und
einvernehmlich gelöst werden."
Nach der Hälfte der Lehrgangszeit werde die Lehrgangsleitung eine ausführliche
Teilnehmerbeurteilung erstellen, die Aufschluß über den Werdegang und den Stand der
beruflichen Orientierung geben solle, über Leistungen in den Unterrichtsfächern informiere
und das Arbeitsverhalten im Praktikum beurteile. Auf dieser Basis könnten dann
Bewerbungsstrategien entwickelt werden. Nach Abschluß des berufspraktischen Jahres
erhielten die Jugendlichen eine Beurteilung, die detaillierte Angaben zu geleisteten Praktika
und Unterrichtsinhalten ausweise. Ziel sei es, die Jugendlichen in Lehre oder schulische
Ausbildung zu bringen, wobei die Vermittlung in eine berufliche Ausbildung erste Priorität
habe.
Für das nun bewilligte Projekt sei es vorgesehen, jeweils zehn Teilnehmer aus den Regionen
Steinfurt/Ochtrup, Borken/Gronau und Nordhorn/Grafschaft Bentheim/Schüttorf zu
gewinnen. Die jeweiligen Arbeitsämter unterstützten den Verein in Ochtrup auch bei der
Suche von entsprechenden Teilnehmern. Bei erfolgreichem Verlauf dieses Modells, betonte
Brickwedde, erwäge die Stiftung, für weitere Aktionen der größten Umweltstiftung Europas
auf diesem wichtigen Sektor weitere finanzielle Mittel bereitzustellen.