06.05.1998 | Den Chancenlosen eine Chance: Projekt will arbeitslosen Jugendlichen Brücke

Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert Initiative in der niederländisch-deutschen Grenzregion mit 200.000 Mark - Schule und Praktika

Ochtrup / Osnabrück. Für 30 arbeitslose Jugendliche aus der niederländisch-deutschen Grenzregion, die aufgrund verschiedener Benachteiligungen eigentlich keine Chancen hätten, auf dem Arbeits- oder Ausbildungsmarkt ohne Hilfe von außen Fuß zu fassen, sollen mit einem neuen Projekt nun doch Perspektiven für eine berufliche Zukunft geschaffen werden. Knapp 200.000 Mark bewilligte heute die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) dem Verein Stiftung Grenzüberschreitende Berufsausbildung in Ochtrup für seine Umwelt-Jugendwerkstatt, um damit arbeitslosen jungen Menschen durch ein berufspraktisches Jahr den Wechsel in Berufe des Umweltbereichs zu ermöglichen.

Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (Nürnberg) werde bis Anfang des nächsten Jahrzehnts der Anteil der Arbeitsplätze für ungelernte Arbeitskräfte am Arbeitsmarkt von jetzt 20 Prozent um etwa die Hälfte schrumpfen, betont der Generalsekretär der Stiftung, Fritz Brickwedde, in einer Pressemitteilung. Das bedeute für diesen Personenkreis faktisch einen Arbeitsplatzabbau von rund einer Million, womit der Start ins Arbeitsleben für Jugendliche ohne Berufsausbildung immer schwieriger werde. Vor diesem Hintergrund wolle die Stiftung etwas für die Förderung des beruflichen (Wieder-)Einstiegs jugendlicher Arbeitsloser mit vornehmlich praktischer beruflicher Orientierung im Umweltbereich tun, ihnen Wissen vermitteln und damit die Chancen auf einen Berufseinstieg im Umweltbereich erhöhen.

Da es sich hier um eines der zentralen Themen unserer Zeit handele, habe er, Brickwedde, die 40 Direktoren von Arbeitsämtern in Deutschland angeschrieben, in denen die landesweit höchsten Arbeitslosenquoten Jugendlicher registriert werden, und ihnen Unterstützung durch die Stiftung angeboten. In einigen Modellprojekten mit einem deutlichen Schwerpunkt in der praktischen Fortbildung von Jugendlichen in der Umweltbranche (Abfallwirtschaft, Recyclingunternehmen, Ver- und Entsorgung, Stadtwerke, Umweltbildungseinrichtungen, Denkmalschutz) sollten durch die Stiftung über einzelne Projekte wichtige Erfahrungen gesammelt werden, die dann in ein großes Förderprojekt der Stiftung münden könnten. In diesem Zusammenhang sei auch die Förderung des nun bewilligten Projektes in der niederländisch-deutschen Grenzregion zu sehen.

Um dessen Projektziel zu erreichen, sollten die Jugendlichen zunächst an die Anforderungen in der Arbeits- und Berufswelt gewöhnt, ihre beruflichen Kenntnisse und Fertigkeiten aufgefrischt beziehungsweise erweitert und damit schließlich eine Verbesserung ihrer Berufschancen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Umweltbereich erhöht werden. Dabei baue das Konzept auf eine Kombination von berufsbezogenem Unterricht und betrieblichem Praktikum. Neben einem soliden, fachbezogenen Unterricht nehme die sozialpädagogische Betreuung einen sehr hohen Stellenwert ein. Während des Unterrichts und in regelmäßigen Einzelgesprächen werde gemeinsam mit den Jugendlichen eine stabile Arbeitsbasis auf der Grundlage gemeinsamer Ziele und stützender Gruppenkontakte entwickelt.

Neben dem theoretischen und praktischen Unterricht lege der Lehrgang insbesondere Wert auf eine sorgfältige, individuelle Vorbereitung, Durchführung und Betreuung der Praktikumsphasen, weil die Jugendlichen hier oft zum erstenmal mit beruflicher Realität konfrontiert würden. Mit Hilfe der Lehrgangsleiter und der Gruppe sollten sie lernen, sich diesen Anforderungen zu stellen und daran zu wachsen. Brickwedde: "Der kontinuierlich enge Kontakt zwischen dem Träger, den Betrieben und den Jugendlichen soll dabei in allen Phasen des Lehrgangsverlaufs gewährleisten, daß auftretende Probleme konstruktiv und einvernehmlich gelöst werden."

Nach der Hälfte der Lehrgangszeit werde die Lehrgangsleitung eine ausführliche Teilnehmerbeurteilung erstellen, die Aufschluß über den Werdegang und den Stand der beruflichen Orientierung geben solle, über Leistungen in den Unterrichtsfächern informiere und das Arbeitsverhalten im Praktikum beurteile. Auf dieser Basis könnten dann Bewerbungsstrategien entwickelt werden. Nach Abschluß des berufspraktischen Jahres erhielten die Jugendlichen eine Beurteilung, die detaillierte Angaben zu geleisteten Praktika und Unterrichtsinhalten ausweise. Ziel sei es, die Jugendlichen in Lehre oder schulische Ausbildung zu bringen, wobei die Vermittlung in eine berufliche Ausbildung erste Priorität habe.

Für das nun bewilligte Projekt sei es vorgesehen, jeweils zehn Teilnehmer aus den Regionen Steinfurt/Ochtrup, Borken/Gronau und Nordhorn/Grafschaft Bentheim/Schüttorf zu gewinnen. Die jeweiligen Arbeitsämter unterstützten den Verein in Ochtrup auch bei der Suche von entsprechenden Teilnehmern. Bei erfolgreichem Verlauf dieses Modells, betonte Brickwedde, erwäge die Stiftung, für weitere Aktionen der größten Umweltstiftung Europas auf diesem wichtigen Sektor weitere finanzielle Mittel bereitzustellen.