Osnabrück / Hamburg. Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen will die Stiftung
Jugend forscht (Hamburg) Schüler und junge Studenten für das Thema
Umwelttechnik interessieren, sie durch Information befähigen, sich mit dieser
anspruchsvollen Thematik auch aktiv auseinandersetzen zu können und so
entdeckten Talenten den Weg ebnen, sich auf diesen Bereich auch beruflich zu
orientieren. Mit seinem Beschluß, "Jugend forscht" rund 1,1 Millionen Mark in den
nächsten fünf Jahren zur Verfügung zu stellen, machte das Kuratorium der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) unter Vorsitz von
Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer nun den Weg frei, dieses Konzept
auch in die Realität umzusetzen. Stiftungsgeneralsekretär Fritz Brickwedde und Dr.
Uta Krautkrämer-Wagner, Geschäftsführerin von "Jugend forscht": "Wenn
Deutschland seinen Spitzenplatz auf dem Gebiet der Umwelttechnik halten will, muß
mehr getan werden als das, was zum Thema Umwelttechnik in deutschen
Schullehrplänen seinen Niederschlag findet."
Bereits in den vergangenen Jahren war es zwischen den beiden gemeinnützigen
Einrichtungen zur Zusammenarbeit beim Thema Umwelttechnik im Rahmen des
Nachwuchswettbewerbes "Jugend forscht" gekommen, heißt es in einer Pressemitteilung
von Umweltstiftung und "Jugend forscht". Mit einer Fördersumme von über 150.000 Mark
hatte die größte Umweltstiftung Europas in den Jahren ‘95 und ‘96 die Vergabe eines
"Sonderpreises Umwelttechnik" auf Regional-, Landes-, Bundes- und Europaebene
ermöglicht. Das Ziel, die Jugendlichen für dieses Fachgebiet zu interessieren, ihre
Kreativität darauf zu lenken und ihr Problembewußtsein zu schärfen, sei als "sehr gelungen"
anzusehen, so Brickwedde. Immerhin sei es dem Sonderpreis-Bundessieger 1995 Sven
Siegle (Winnenden) gelungen, sein Verfahren zur Herstellung von Zellulose aus Stroh im
Rahmen eines von der Umweltstiftung finanzierten Amerikaaufenthalts soweit zu
vervollkommnen, daß es bis zum industriellen Probebetrieb habe weiterentwickelt werden
können.
Mit einer weiteren Förderung von über 110.000 Mark habe die Umweltstiftung dafür
gesorgt, daß durch Fachkonferenzen und Praktika die bei "Jugend forscht" gewonnenen
Erfahrungen auch über den Wettbewerb in der Schule hinaus gepflegt, umweltrelevante
Patente angemeldet und damit kreative Ideen der Wettbewerbsteilnehmer auch
wirtschaftlich verwertet worden seien.
Diese Ansätze sollten nun durch das neue Modellprojekt komplettiert werden, so
Brickwedde, um europaweit ein Netzwerk junger Forscher zu knüpfen, das über den
schulischen Wettbewerb hinaus dem Thema Umwelttechnik verbunden bleibe. Als Basis solle
zunächst ein "Schülerforum Umwelttechnik" eingerichtet werden, das Schülern - aber auch
Lehrern - in Vorträgen den aktuellen Stand der Technik und Forschung in Theorie und Praxis
unter besonderer Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsgedankens nahebringen solle.
Ausgewiesene Wissenschaftler und Praktiker aus der Wirtschaft würden in einstündigen,
speziell auf Jugendliche zugeschnittenen Vorträgen ausgewählte Aspekte der
Umwelttechnik vorstellen. In den ersten zwei Jahren sollten diese Foren als Zyklen von vier
bis fünf Veranstaltungen im Abstand von ein bis zwei Wochen zunächst in "Jugend
forscht"-Hochburgen wie Münster, Erlangen, Bremen, Saarbrücken, Hamburg und Leipzig
angeboten werden. Angestrebt sei danach, dieses Angebot flächendeckend auf das
gesamte Bundesgebiet auszudehnen.
Fester Bestandteil solle auch der "Sonderpreis Umwelttechnik" bleiben, der auf Regional-,
Landes- und Bundesebene vergeben werden solle. Dabei sollten - analog zum
Förderschwerpunkt der Umweltstiftung - solche Projekte ausgezeichnet werden, die sich
mit der Herstellung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Verfahren und Pro-dukte
beschäftigen. Auf Regionalebene lockten in den Sparten "Schüler experimentieren" (bis 16
Jahre) und "Jugend forscht" (über 16 Jahre) Preisgelder von je 100 Mark, auf Landesebene
von je 300 Mark und auf Bundesebene bis zu 2.000 Mark. Für außergewöhnlich gute
Arbeiten könne in Ausnahmefällen ein Reisepreis im Wert von 7.000 Mark vergeben werden,
mit dem der Aufenthalt an einer Forschungseinrichtung finanziert werden könne. Nationale
Sieger qualifizierten sich für den internationalen Wettbewerb "Europas Jugend forscht für
die Umwelt", für den im Rahmen des von der Umweltstiftung geförderten
Maßnahmenkatalogs ein Sonderpreis von 3.000 Mark ausgelobt sei.
Zusätzlich würden, so Brickwedde, in deutschen Forschungseinrichtungen sieben
Praktikumsplätze als Sonderpreise vergeben, fünf für deutsche Teilnehmer, zwei für
Preisträger des europäischen Wettbewerbs. Krautkrämer-Wagner: "Dabei können die
Jugendlichen wertvolle Erfahrungen sammeln, weil sie direkten Einblick in die
wissenschaftliche Arbeit und den neuesten Stand der Forschung im Bereich der
Umwelttechnik gewinnen." Obendrein würden als Sonderpreise Teilnahmen an
internationalen Fachgesprächen vergeben, die entweder separat durch die Stiftung Jugend
forscht oder als Jugendkonferenzen angebunden an wissenschaftliche Fachtagungen
durchgeführt würden. Dabei solle die Themenauswahl recht kurzfristig erfolgen, um auf
neue Entwicklungen reagieren zu können. Die Preisträger des Bundes- und
Europawettbewerbs würden dazu turnusmäßig eingeladen, um so über die Jahre ein
Netzwerk junger Forscher zu knüpfen, die regelmäßig mit dem Thema Umwelttechnik in
Kontakt bleiben. Das erste dieser Fachgespräche zum Thema ökologisches Bauen werde im
Juni in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück stattfinden.
Zum Maßnahmenpaket dieses Projektes gehöre es außerdem, Entwicklungen aus dem
Bereich Umwelttechnik durch finanzielle Unterstützung (je 330 Mark) zumindest provisorisch
als Patent anmelden zu helfen, Arbeiten der jungen Forscherinnen und Forscher auf Messen
und Ausstellungen zu präsentieren sowie durch weitere Maßnahmen der Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit die Ergebnisse preisgekrönter Arbeiten weiteren Kreisen bekannt zu
machen, um damit eine Teilnahme am Wettbewerb für nachfolgende Schülergenerationen
anzuregen.