30.04.1998 | Umwelttechnik eine Bresche schlagen: "Jugend forscht" setzt neuen Akzent

Bündel von Maßnahmen soll Auseinandersetzung mit Thematik stimulieren - Umweltstiftung unterstützt Projekt mit rund 1,1 Millionen Mark

Osnabrück / Hamburg. Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen will die Stiftung Jugend forscht (Hamburg) Schüler und junge Studenten für das Thema Umwelttechnik interessieren, sie durch Information befähigen, sich mit dieser anspruchsvollen Thematik auch aktiv auseinandersetzen zu können und so entdeckten Talenten den Weg ebnen, sich auf diesen Bereich auch beruflich zu orientieren. Mit seinem Beschluß, "Jugend forscht" rund 1,1 Millionen Mark in den nächsten fünf Jahren zur Verfügung zu stellen, machte das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer nun den Weg frei, dieses Konzept auch in die Realität umzusetzen. Stiftungsgeneralsekretär Fritz Brickwedde und Dr. Uta Krautkrämer-Wagner, Geschäftsführerin von "Jugend forscht": "Wenn Deutschland seinen Spitzenplatz auf dem Gebiet der Umwelttechnik halten will, muß mehr getan werden als das, was zum Thema Umwelttechnik in deutschen Schullehrplänen seinen Niederschlag findet."

Bereits in den vergangenen Jahren war es zwischen den beiden gemeinnützigen Einrichtungen zur Zusammenarbeit beim Thema Umwelttechnik im Rahmen des Nachwuchswettbewerbes "Jugend forscht" gekommen, heißt es in einer Pressemitteilung von Umweltstiftung und "Jugend forscht". Mit einer Fördersumme von über 150.000 Mark hatte die größte Umweltstiftung Europas in den Jahren ‘95 und ‘96 die Vergabe eines "Sonderpreises Umwelttechnik" auf Regional-, Landes-, Bundes- und Europaebene ermöglicht. Das Ziel, die Jugendlichen für dieses Fachgebiet zu interessieren, ihre Kreativität darauf zu lenken und ihr Problembewußtsein zu schärfen, sei als "sehr gelungen" anzusehen, so Brickwedde. Immerhin sei es dem Sonderpreis-Bundessieger 1995 Sven Siegle (Winnenden) gelungen, sein Verfahren zur Herstellung von Zellulose aus Stroh im Rahmen eines von der Umweltstiftung finanzierten Amerikaaufenthalts soweit zu vervollkommnen, daß es bis zum industriellen Probebetrieb habe weiterentwickelt werden können.

Mit einer weiteren Förderung von über 110.000 Mark habe die Umweltstiftung dafür gesorgt, daß durch Fachkonferenzen und Praktika die bei "Jugend forscht" gewonnenen Erfahrungen auch über den Wettbewerb in der Schule hinaus gepflegt, umweltrelevante Patente angemeldet und damit kreative Ideen der Wettbewerbsteilnehmer auch wirtschaftlich verwertet worden seien.

Diese Ansätze sollten nun durch das neue Modellprojekt komplettiert werden, so Brickwedde, um europaweit ein Netzwerk junger Forscher zu knüpfen, das über den schulischen Wettbewerb hinaus dem Thema Umwelttechnik verbunden bleibe. Als Basis solle zunächst ein "Schülerforum Umwelttechnik" eingerichtet werden, das Schülern - aber auch Lehrern - in Vorträgen den aktuellen Stand der Technik und Forschung in Theorie und Praxis unter besonderer Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsgedankens nahebringen solle. Ausgewiesene Wissenschaftler und Praktiker aus der Wirtschaft würden in einstündigen, speziell auf Jugendliche zugeschnittenen Vorträgen ausgewählte Aspekte der Umwelttechnik vorstellen. In den ersten zwei Jahren sollten diese Foren als Zyklen von vier bis fünf Veranstaltungen im Abstand von ein bis zwei Wochen zunächst in "Jugend forscht"-Hochburgen wie Münster, Erlangen, Bremen, Saarbrücken, Hamburg und Leipzig angeboten werden. Angestrebt sei danach, dieses Angebot flächendeckend auf das gesamte Bundesgebiet auszudehnen.

Fester Bestandteil solle auch der "Sonderpreis Umwelttechnik" bleiben, der auf Regional-, Landes- und Bundesebene vergeben werden solle. Dabei sollten - analog zum Förderschwerpunkt der Umweltstiftung - solche Projekte ausgezeichnet werden, die sich mit der Herstellung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Verfahren und Pro-dukte beschäftigen. Auf Regionalebene lockten in den Sparten "Schüler experimentieren" (bis 16 Jahre) und "Jugend forscht" (über 16 Jahre) Preisgelder von je 100 Mark, auf Landesebene von je 300 Mark und auf Bundesebene bis zu 2.000 Mark. Für außergewöhnlich gute Arbeiten könne in Ausnahmefällen ein Reisepreis im Wert von 7.000 Mark vergeben werden, mit dem der Aufenthalt an einer Forschungseinrichtung finanziert werden könne. Nationale Sieger qualifizierten sich für den internationalen Wettbewerb "Europas Jugend forscht für die Umwelt", für den im Rahmen des von der Umweltstiftung geförderten Maßnahmenkatalogs ein Sonderpreis von 3.000 Mark ausgelobt sei.

Zusätzlich würden, so Brickwedde, in deutschen Forschungseinrichtungen sieben Praktikumsplätze als Sonderpreise vergeben, fünf für deutsche Teilnehmer, zwei für Preisträger des europäischen Wettbewerbs. Krautkrämer-Wagner: "Dabei können die Jugendlichen wertvolle Erfahrungen sammeln, weil sie direkten Einblick in die wissenschaftliche Arbeit und den neuesten Stand der Forschung im Bereich der Umwelttechnik gewinnen." Obendrein würden als Sonderpreise Teilnahmen an internationalen Fachgesprächen vergeben, die entweder separat durch die Stiftung Jugend forscht oder als Jugendkonferenzen angebunden an wissenschaftliche Fachtagungen durchgeführt würden. Dabei solle die Themenauswahl recht kurzfristig erfolgen, um auf neue Entwicklungen reagieren zu können. Die Preisträger des Bundes- und Europawettbewerbs würden dazu turnusmäßig eingeladen, um so über die Jahre ein Netzwerk junger Forscher zu knüpfen, die regelmäßig mit dem Thema Umwelttechnik in Kontakt bleiben. Das erste dieser Fachgespräche zum Thema ökologisches Bauen werde im Juni in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück stattfinden.

Zum Maßnahmenpaket dieses Projektes gehöre es außerdem, Entwicklungen aus dem Bereich Umwelttechnik durch finanzielle Unterstützung (je 330 Mark) zumindest provisorisch als Patent anmelden zu helfen, Arbeiten der jungen Forscherinnen und Forscher auf Messen und Ausstellungen zu präsentieren sowie durch weitere Maßnahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit die Ergebnisse preisgekrönter Arbeiten weiteren Kreisen bekannt zu machen, um damit eine Teilnahme am Wettbewerb für nachfolgende Schülergenerationen anzuregen.