29.04.1998 | Generalsekretär der Umweltstiftung hält Wort: jede Mark der Bürger für St.Martini

420.000 Mark für Halberstadts Wahrzeichen aus Osnabrück - An Fassade sollen Umweltschäden beseitigt werden - Auch Förderung für Dom

Halberstadt / Osnabrück. Das Engagement der Bürger Halberstadts für den Erhalt ihres kulturhistorischen Wahrzeichens, der Pfarrkirche St. Martini, wird nachhaltig belohnt. Aus der Hand von Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück), nahm heute in Halberstadt Christiane Scholze-Wendt, Pfarrerin der Evangelischen Dom- und Martinigemeinde, ein Bewilligungsschreiben der größten Umweltstiftung Europas über 420.000 Mark in Empfang. Mit diesem Geld soll die Fassade der mittelalterlichen Kirche modellhaft saniert werden. Brickwedde löste damit ein Versprechen ein, das er vor rund einem Jahr in Halberstadt gegeben hatte: Für jede bis zum Ende des Jahres von den Bürgern Halberstadts für ihr Wahrzeichen gesammelte Mark werde die Stiftung zwei Mark dazulegen. Und die Halberstädter hatten sich für St. Martini kräftig ins Zeug gelegt: 210.000 Mark waren am Ende zusammengekommen.

Im Frühjahr 1997 hatte Brickwedde bei der Grundsteinlegung des Kundenberatungszentrums der Stadtwerke zur Umwelt- und Ressourcenschonung in Halberstadt gesprochen. Nach ihm ergriffen auch die Sprecher der Belegschaft und der am Bau beteiligten Handwerker das Wort. Sie drückten nicht nur ihre Freude aus über den geplanten Neubau, sondern informierten auch über Sammlungen zugunsten des Wahrzeichens von Halberstadt, St. Martini.

Nach der Überreichung der Schecks an den Oberbürgermeister - die Stiftung fördert das Beratungszentrum mit rund 740.000 Mark - bat Brickwedde noch einmal ums Wort. Zur Überraschung der Halberstädter lobte er nicht nur den Bürgersinn zur Rettung des Wahrzeichens der Stadt, sondern machte das Versprechen, jede bis zum Ende des Jahres 1997 aus der Bürgerschaft gesammelte Mark aus Stiftungsmitteln zu verdoppeln. Stiftung komme eben von anstiften zum bürgerlichen Engagement, erklärte der Generalsekretär sein spontanes Angebot an die Halberstädter. Auftrag der Stiftung ist es nämlich auch, nationales Kulturgut vor Umweltschäden zu bewahren. Nach dieser Veranstaltung wurden von der Bürgerschaft zahlreiche Aktivitäten mit hohem Engagement in Halberstadt entwickelt, um Spenden für St. Martini einzuwerben.

Bei Halberstädter Würstchen und Halberstädter Bier geriet heute die Übergabe des Bewilligungsschreibens auf dem Marktforum der Martinikirche zu einem Bürgerfest. In seinen Worten erinnerte Brickwedde daran, wichtigstes Problem bei der Schadensbeseitigung an der jahrzehntelang Umweltbelastungen ausgesetzten Martinikirche sei der Ersatz des bisherigen Fugenzementmörtels in der Außenfassade durch geeigneteres Material. Es müsse zum Steinmaterial passen und widerstandsfähig gegenüber Salzbelastungen sein. Für das Ausräumen des alten Fugenmaterials müsse aber ein geeignetes Verfahren entwickelt und angewendet werden, das eine Beschädigung des Steins verhindere. So könnten Erkenntnisse gewonnen werden, die auch auf andere Objekte übertragbar seien. Neben der Fugensanierung seien auch Maßnahmen zum Steinerhalt und -austausch sowie der Austausch der Querverankerungen durch Edelstahlanker vorgesehen.

Bei seinem Besuch in Halberstadt wies Brickwedde heute ebenfalls darauf hin, daß gerade erst die Domstiftung Sachsen-Anhalt (Leitzkau) von der Umweltstiftung für die Sanierung des umweltgeschädigten Domwestportals knapp 890.000 Mark erhalten habe. Hier gehe es um eine modellhafte Kalksteinkonservierung am stark umweltgeschädigten Westportal, erläuterte Brickwedde die zweite aktuelle Förderentscheidung der Stiftung für Halberstadt. Während die stadt- und landschafts-prägende Doppelturmfassade des Doms im architektonischen und kunsthistorischen Sinn schon als Rarität zu bewerten sei, komme seiner Portalzone mit ihren ausgezeichneten Steinmetzarbeiten geradezu epochale Bedeutung zu. Durch jahrzehntelangen, schwefelhaltigen Hausbrand und umliegende Kraftwerke hätten Teile der Bauzier schon das Stadium des Totalverlustes erreicht. Normale Reinigungsmethoden versagten, da sie die gestaltbildenden Oberflächen gleichzeitig zerstörten.

Speziell mit Blick auf den hier verbauten, sensiblen Kalkstein müsse ein neuer Mörtel entwickelt werden, mit dem die Bauzier hinterfüllt und dann am Natursteinuntergrund wieder angebracht werden könne. Für die Beseitigung gravierender Umweltschäden an Kulturgütern aus Kalkstein könne dieses Projekt in besonderem Maße modellhaft sein. Die Umweltstiftung setze mit dieser aktuellen Förderentscheidung, so Brickwedde, schon fast eine "gute Tradition" fort, in der sie in verschiedenen Projekten für den Dom für Steinerhaltungsmaßnahmen sowie für den Schutz wertvoller Glasfenster schon bisher Mittel in Höhe von 2,25 Millionen Mark bereitgestellt habe.