Halberstadt / Osnabrück. Das Engagement der Bürger Halberstadts für den Erhalt
ihres kulturhistorischen Wahrzeichens, der Pfarrkirche St. Martini, wird nachhaltig
belohnt. Aus der Hand von Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück), nahm heute in Halberstadt Christiane
Scholze-Wendt, Pfarrerin der Evangelischen Dom- und Martinigemeinde, ein
Bewilligungsschreiben der größten Umweltstiftung Europas über 420.000 Mark in
Empfang. Mit diesem Geld soll die Fassade der mittelalterlichen Kirche modellhaft
saniert werden. Brickwedde löste damit ein Versprechen ein, das er vor rund einem
Jahr in Halberstadt gegeben hatte: Für jede bis zum Ende des Jahres von den
Bürgern Halberstadts für ihr Wahrzeichen gesammelte Mark werde die Stiftung zwei
Mark dazulegen. Und die Halberstädter hatten sich für St. Martini kräftig ins Zeug
gelegt: 210.000 Mark waren am Ende zusammengekommen.
Im Frühjahr 1997 hatte Brickwedde bei der Grundsteinlegung des Kundenberatungszentrums
der Stadtwerke zur Umwelt- und Ressourcenschonung in Halberstadt gesprochen. Nach ihm
ergriffen auch die Sprecher der Belegschaft und der am Bau beteiligten Handwerker das
Wort. Sie drückten nicht nur ihre Freude aus über den geplanten Neubau, sondern
informierten auch über Sammlungen zugunsten des Wahrzeichens von Halberstadt, St.
Martini.
Nach der Überreichung der Schecks an den Oberbürgermeister - die Stiftung fördert das
Beratungszentrum mit rund 740.000 Mark - bat Brickwedde noch einmal ums Wort. Zur
Überraschung der Halberstädter lobte er nicht nur den Bürgersinn zur Rettung des
Wahrzeichens der Stadt, sondern machte das Versprechen, jede bis zum Ende des Jahres
1997 aus der Bürgerschaft gesammelte Mark aus Stiftungsmitteln zu verdoppeln. Stiftung
komme eben von anstiften zum bürgerlichen Engagement, erklärte der Generalsekretär sein
spontanes Angebot an die Halberstädter. Auftrag der Stiftung ist es nämlich auch,
nationales Kulturgut vor Umweltschäden zu bewahren. Nach dieser Veranstaltung wurden
von der Bürgerschaft zahlreiche Aktivitäten mit hohem Engagement in Halberstadt
entwickelt, um Spenden für St. Martini einzuwerben.
Bei Halberstädter Würstchen und Halberstädter Bier geriet heute die Übergabe des
Bewilligungsschreibens auf dem Marktforum der Martinikirche zu einem Bürgerfest. In seinen
Worten erinnerte Brickwedde daran, wichtigstes Problem bei der Schadensbeseitigung an
der jahrzehntelang Umweltbelastungen ausgesetzten Martinikirche sei der Ersatz des
bisherigen Fugenzementmörtels in der Außenfassade durch geeigneteres Material. Es müsse
zum Steinmaterial passen und widerstandsfähig gegenüber Salzbelastungen sein. Für das
Ausräumen des alten Fugenmaterials müsse aber ein geeignetes Verfahren entwickelt und
angewendet werden, das eine Beschädigung des Steins verhindere. So könnten
Erkenntnisse gewonnen werden, die auch auf andere Objekte übertragbar seien. Neben der
Fugensanierung seien auch Maßnahmen zum Steinerhalt und -austausch sowie der
Austausch der Querverankerungen durch Edelstahlanker vorgesehen.
Bei seinem Besuch in Halberstadt wies Brickwedde heute ebenfalls darauf hin, daß gerade
erst die Domstiftung Sachsen-Anhalt (Leitzkau) von der Umweltstiftung für die Sanierung
des umweltgeschädigten Domwestportals knapp 890.000 Mark erhalten habe. Hier gehe es
um eine modellhafte Kalksteinkonservierung am stark umweltgeschädigten Westportal,
erläuterte Brickwedde die zweite aktuelle Förderentscheidung der Stiftung für Halberstadt.
Während die stadt- und landschafts-prägende Doppelturmfassade des Doms im
architektonischen und kunsthistorischen Sinn schon als Rarität zu bewerten sei, komme
seiner Portalzone mit ihren ausgezeichneten Steinmetzarbeiten geradezu epochale
Bedeutung zu. Durch jahrzehntelangen, schwefelhaltigen Hausbrand und umliegende
Kraftwerke hätten Teile der Bauzier schon das Stadium des Totalverlustes erreicht. Normale
Reinigungsmethoden versagten, da sie die gestaltbildenden Oberflächen gleichzeitig
zerstörten.
Speziell mit Blick auf den hier verbauten, sensiblen Kalkstein müsse ein neuer Mörtel
entwickelt werden, mit dem die Bauzier hinterfüllt und dann am Natursteinuntergrund wieder
angebracht werden könne. Für die Beseitigung gravierender Umweltschäden an Kulturgütern
aus Kalkstein könne dieses Projekt in besonderem Maße modellhaft sein. Die Umweltstiftung
setze mit dieser aktuellen Förderentscheidung, so Brickwedde, schon fast eine "gute
Tradition" fort, in der sie in verschiedenen Projekten für den Dom für
Steinerhaltungsmaßnahmen sowie für den Schutz wertvoller Glasfenster schon bisher Mittel
in Höhe von 2,25 Millionen Mark bereitgestellt habe.