08.04.1998 | Mit pfiffigem Kostenmanagement und innovativer Biotechnologie im Betrieb Umwelt entlasten und Kosten sparen

Umweltstiftung führt am 12. Mai "Osnabrücker Umweltgespräche" durch - Branchen Textil, Papier und Lebensmittel im Blick

Osnabrück. "Die Veranstaltung soll mittelständische Firmen der Industriebranchen Textil, Papier und Lebensmittel mit Perspektiven bekannt machen, die im produktionsintegrierten Einsatz biotechnologischer Verfahren und Produkte liegen. Gleichzeitig soll sie die Unternehmer davon überzeugen, daß in Kombination mit geeigneten Managementmethoden die Umwelt entlastet und Kosten eingespart werden können." - Mit diesen Wort umreißt Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt(Osnabrück), die Zielsetzung der "11. Osnabrücker Umweltgespräche", die am 12. Mai in Zusammenarbeit mit dem Fortbildungszentrum Gesundheits- und Umweltschutz Berlin im Remarque-Hotel in Osnabrück stattfinden.

"Umweltentlastung durch Biotechnologie und Management in mittelständischen Unternehmen - Neue Wege zur Produktivitätssteigerung und Kostensenkung" ist der offizielle Titel der Fachveranstaltung, zu der rund 150 Teilnehmer vornehmlich aus der Geschäftsleitungsebene mittelständischer Unternehmen der Industriebranchen Textil, Papier und Lebensmittel sowie Wissenschaftler der Disziplinen Biotechnologie und Betriebswirtschaft erwartet werden, heißt es in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas. Ihnen sollten die großen Entwicklungs- und Problemlösungspotentiale der Biotechnologie aufgezeigt werden, die vor allem im Bereich des vorsorgenden Umweltschutzes zu sehen seien, so Brickwedde. Gleichzeitig solle den Unternehmen verdeutlicht werden, daß durch entsprechend konsequent ergriffene Managementmaßnahmen die Umwelt entlastet und Ressourcen geschont werden könnten, ohne Zusatzkosten zu verursachen. Brickwedde: "Wir wollen zeigen, daß professionell integrativ umgesetzter Umweltschutz konkrete Wettbewerbsvorteile bietet."

Durch die Verknüpfung von Methoden des Umweltkostenmanagements mit dem Einsatz moderner Biotechnologie, durch betrieblich vorsorgenden Umweltschutz unter Einsatz biotechnologischer Verfahren und Produkte könnten im Unternehmen Kosten gesenkt, die Produktivität gesteigert, die Wettbewerbsfähigkeit verbessert und die Umwelt geschützt werden, so Brickwedde weiter. Dieser Überzeugung habe die Stiftung auch dadurch Rechnung getragen, daß sie einen Förderschwerpunkt "Einsatz biotechnologischer Verfahren und Produkte im Sinne eines produkt- bzw. produktionsintegrierten Umweltschutzes in ausgewählten Industriebranchen" ins Leben gerufen habe.

Biotechnologie - als Chance für die Umwelt verstanden und genutzt - könne einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung des Leitbilds einer ‘nachhaltigen Entwicklung" leisten. Durch die zahlreichen Anwendungsfelder und das hohe Problemlösungspotential der modernen Biotechnologie ergäben sich auch für den Einsatz im produkt- bzw. produktionsintegrierten Umweltschutz insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklungsperspektiven. Deshalb wolle die Stiftung in diesem jungen Wachstumsmarkt neue Akzente für den Umweltschutz setzen.

Weltweit würden für die "Schlüsseldisziplin Biotechnologie" starke Wachstumschancen vorhergesagt. Allein für die kommerzielle Biotechnologie in Deutschland werde mit einer Verdoppelung der Arbeitsplätze auf 40.000 bis zum Jahr 2000 gegenüber dem Jahr 1992 gerechnet. Hinzu kämen etwa 20.000 Arbeitsplätze im öffentlichen Bereich sowie etwa 40.000, die indirekt durch Biotechnologie bei Zulieferern und Dienstleistern entstehen würden. Dabei träten neben die herkömmlichen, traditionellen biotechnologischen Verfahren wie in den Bereichen der Käseherstellung, des Kelterns, Brauens oder Backens moderne Anwendungsmöglichkeiten in der medizinischen Diagnostik, der Therapie, der Herstellung von Chemikalien oder im Bereich nachwachsender Rohstoffe.

Auch im Bereich der klassischen Umweltbiotechnologie hätten sich vielfältige Verfahren der Abwasserreinigung, Abfallverwertung und Altlastensanierung im Sinne des nachsorgenden Umweltschutzes etabliert.

Für die Umweltgespräche in Osnabrück hätten zahlreiche namhafte Referenten gewonnen werden können, so Brickwedde weiter. Nach einer Begrüßung durch den Generalsekretär und einer Einführung in das Thema durch das Kuratoriumsmitglied der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Dr. Sigurd Lehmann-Tolkmitt (Würzburg), wird branchenübergreifend das Thema "Biotechnologie und Management: heutiger Stand - zukünftige Perspektiven" diskutiert. Dazu werden Professor Dr. Christoph Lange, Lehrstuhl für Umweltwirtschaft und Umweltschutz-Controlling der Universität Gesamthochschule Essen (Umweltschutz-Controlling - Chancen einer ökologisch orientierten Unternehmensführung), und Professor Dr. Thomas Scheper, Lehrstuhl für Technische Chemie der Universität Hannover (Biotechnologie am Wirtschaftsstandort Deutschland - ein Beitrag zur Nachhaltigkeit) vortragen.

Im Themenfeld Biotechnologie und Management in der Textilindustrie werden Prof. Dr. D. Günter Liesegang, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre I am Alfred-Weber-Institut für Sozial- und Staatswissenschaften der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Umweltmanagement in der Bekleidungsindustrie am Beispiel der Hucke AG), Christian Wucherer, Leiter Umweltcontrolling der Kunert AG (Umweltkostenmanagement in der Textilveredlungsindustrie am Beispiel der Kunert AG) und Dr. Elisabeth Heine, Gruppenleiterin "Enzymatische Verfahren" am Deutschen Wollforschungsinstitut an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (Umweltaspekte bei der Textilherstellung: Perspektiven der Enzymtechnologie) referieren.

Im Themenfeld Biotechnologie und Management in der papiertechnischen Industrie werden Dr. Josef Murr, Ressortleiter Umweltkostenmanagement der Papiertechnischen Stiftung München (Standortspezifisches Umweltmanagementsystem in der Papiertechnischen Industrie unter besonderer Berücksichtigung enzymatischer Verfahren), Prof. Dr. Sabine Kunst, Lehrstuhl am Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik der Universität Hannover (Abwasserbehandlung/Wasseraufbereitung und produktionsintegrierte Kreislaufschließung) sowie Dr. Jürgen Puls, Leiter des Instituts für Holzchemie und Chemische Technologie des Holzes der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft Hamburg (Umweltschutz in der papiertechnischen Industrie: Perspektiven der Enzymtechnologie) sprechen.

Im Themenfeld Biotechnologie und Management in der Lebensmittelwirtschaft schließlich werden Dr. Gert Kühbeck, ehemaliger Technischer Direktor der Bitburger Brauerei (Integrierter Umweltschutz in der Brauereiwirtschaft am Beispiel der Bitburger Brauerei), Dr. Meinhard Seekamp, Abteilungsleiter Umwelt und Sicherheit der Emsland Stärke GmbH Emlichheim Abwasserbehandlung/Wasseraufbereitung und produktionsintegrierte Kreislaufschließung am Beispiel der Kartoffelstärkegewinnung) und Prof. Dr. Friedrich Meuser, Lehrstuhl für Getreidetechnologie am Institut für Lebensmitteltechnologie II der Technischen Universität Berlin (Kreislaufschließung in der Backwarenindustrie: Aufarbeitung von Rückbrot) referieren. In einer abschließenden Diskussion sollen dann die Ergebnisse zusammengefaßt und bewertet werden.

Hinweis an die Redaktionen: Den Zeitplan der "11. Osnabrücker Umweltgespräche", zu denen Sie herzlich eingeladen sind, erhalten Sie auf Anfrage. Die Stiftungsbroschüre "Biotechnologie - Neue Chancen für den Umweltschutz" (oder falls aktuell benötigt: Kopien daraus per Fax) mit konkreten Beispielen aus der Fördertätigkeit der Stiftung in diesem Bereich erhalten Sie ebenfalls gern auf Anfrage.