Osnabrück. "Die Veranstaltung soll mittelständische Firmen der Industriebranchen
Textil, Papier und Lebensmittel mit Perspektiven bekannt machen, die im
produktionsintegrierten Einsatz biotechnologischer Verfahren und Produkte liegen.
Gleichzeitig soll sie die Unternehmer davon überzeugen, daß in Kombination mit
geeigneten Managementmethoden die Umwelt entlastet und Kosten eingespart
werden können." - Mit diesen Wort umreißt Fritz Brickwedde, Generalsekretär der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt(Osnabrück), die Zielsetzung der "11.
Osnabrücker Umweltgespräche", die am 12. Mai in Zusammenarbeit mit dem
Fortbildungszentrum Gesundheits- und Umweltschutz Berlin im Remarque-Hotel in
Osnabrück stattfinden.
"Umweltentlastung durch Biotechnologie und Management in mittelständischen
Unternehmen - Neue Wege zur Produktivitätssteigerung und Kostensenkung" ist der
offizielle Titel der Fachveranstaltung, zu der rund 150 Teilnehmer vornehmlich aus der
Geschäftsleitungsebene mittelständischer Unternehmen der Industriebranchen Textil, Papier
und Lebensmittel sowie Wissenschaftler der Disziplinen Biotechnologie und
Betriebswirtschaft erwartet werden, heißt es in einer Pressemitteilung der größten
Umweltstiftung Europas. Ihnen sollten die großen Entwicklungs- und
Problemlösungspotentiale der Biotechnologie aufgezeigt werden, die vor allem im Bereich
des vorsorgenden Umweltschutzes zu sehen seien, so Brickwedde. Gleichzeitig solle den
Unternehmen verdeutlicht werden, daß durch entsprechend konsequent ergriffene
Managementmaßnahmen die Umwelt entlastet und Ressourcen geschont werden könnten,
ohne Zusatzkosten zu verursachen. Brickwedde: "Wir wollen zeigen, daß professionell
integrativ umgesetzter Umweltschutz konkrete Wettbewerbsvorteile bietet."
Durch die Verknüpfung von Methoden des Umweltkostenmanagements mit dem Einsatz
moderner Biotechnologie, durch betrieblich vorsorgenden Umweltschutz unter Einsatz
biotechnologischer Verfahren und Produkte könnten im Unternehmen Kosten gesenkt, die
Produktivität gesteigert, die Wettbewerbsfähigkeit verbessert und die Umwelt geschützt
werden, so Brickwedde weiter. Dieser Überzeugung habe die Stiftung auch dadurch
Rechnung getragen, daß sie einen Förderschwerpunkt "Einsatz biotechnologischer Verfahren
und Produkte im Sinne eines produkt- bzw. produktionsintegrierten Umweltschutzes in
ausgewählten Industriebranchen" ins Leben gerufen habe.
Biotechnologie - als Chance für die Umwelt verstanden und genutzt - könne einen
wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung des Leitbilds einer ‘nachhaltigen Entwicklung"
leisten. Durch die zahlreichen Anwendungsfelder und das hohe Problemlösungspotential der
modernen Biotechnologie ergäben sich auch für den Einsatz im produkt- bzw.
produktionsintegrierten Umweltschutz insgesamt positive wirtschaftliche
Entwicklungsperspektiven. Deshalb wolle die Stiftung in diesem jungen Wachstumsmarkt
neue Akzente für den Umweltschutz setzen.
Weltweit würden für die "Schlüsseldisziplin Biotechnologie" starke Wachstumschancen
vorhergesagt. Allein für die kommerzielle Biotechnologie in Deutschland werde mit einer
Verdoppelung der Arbeitsplätze auf 40.000 bis zum Jahr 2000 gegenüber dem Jahr 1992
gerechnet. Hinzu kämen etwa 20.000 Arbeitsplätze im öffentlichen Bereich sowie etwa
40.000, die indirekt durch Biotechnologie bei Zulieferern und Dienstleistern entstehen
würden. Dabei träten neben die herkömmlichen, traditionellen biotechnologischen Verfahren
wie in den Bereichen der Käseherstellung, des Kelterns, Brauens oder Backens moderne
Anwendungsmöglichkeiten in der medizinischen Diagnostik, der Therapie, der Herstellung
von Chemikalien oder im Bereich nachwachsender Rohstoffe.
Auch im Bereich der klassischen Umweltbiotechnologie hätten sich vielfältige Verfahren der
Abwasserreinigung, Abfallverwertung und Altlastensanierung im Sinne des nachsorgenden
Umweltschutzes etabliert.
Für die Umweltgespräche in Osnabrück hätten zahlreiche namhafte Referenten gewonnen
werden können, so Brickwedde weiter. Nach einer Begrüßung durch den Generalsekretär
und einer Einführung in das Thema durch das Kuratoriumsmitglied der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt, Dr. Sigurd Lehmann-Tolkmitt (Würzburg), wird
branchenübergreifend das Thema "Biotechnologie und Management: heutiger Stand -
zukünftige Perspektiven" diskutiert. Dazu werden Professor Dr. Christoph Lange, Lehrstuhl
für Umweltwirtschaft und Umweltschutz-Controlling der Universität Gesamthochschule
Essen (Umweltschutz-Controlling - Chancen einer ökologisch orientierten
Unternehmensführung), und Professor Dr. Thomas Scheper, Lehrstuhl für Technische
Chemie der Universität Hannover (Biotechnologie am Wirtschaftsstandort Deutschland - ein
Beitrag zur Nachhaltigkeit) vortragen.
Im Themenfeld Biotechnologie und Management in der Textilindustrie werden Prof. Dr. D.
Günter Liesegang, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre I am Alfred-Weber-Institut für
Sozial- und Staatswissenschaften der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
(Umweltmanagement in der Bekleidungsindustrie am Beispiel der Hucke AG), Christian
Wucherer, Leiter Umweltcontrolling der Kunert AG (Umweltkostenmanagement in der
Textilveredlungsindustrie am Beispiel der Kunert AG) und Dr. Elisabeth Heine,
Gruppenleiterin "Enzymatische Verfahren" am Deutschen Wollforschungsinstitut an der
Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (Umweltaspekte bei der
Textilherstellung: Perspektiven der Enzymtechnologie) referieren.
Im Themenfeld Biotechnologie und Management in der papiertechnischen Industrie werden
Dr. Josef Murr, Ressortleiter Umweltkostenmanagement der Papiertechnischen Stiftung
München (Standortspezifisches Umweltmanagementsystem in der Papiertechnischen
Industrie unter besonderer Berücksichtigung enzymatischer Verfahren), Prof. Dr. Sabine
Kunst, Lehrstuhl am Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik der
Universität Hannover (Abwasserbehandlung/Wasseraufbereitung und
produktionsintegrierte Kreislaufschließung) sowie Dr. Jürgen Puls, Leiter des Instituts für
Holzchemie und Chemische Technologie des Holzes der Bundesforschungsanstalt
für Forst- und Holzwirtschaft Hamburg (Umweltschutz in der papiertechnischen
Industrie: Perspektiven der Enzymtechnologie) sprechen.
Im Themenfeld Biotechnologie und Management in der Lebensmittelwirtschaft schließlich
werden Dr. Gert Kühbeck, ehemaliger Technischer Direktor der Bitburger Brauerei
(Integrierter Umweltschutz in der Brauereiwirtschaft am Beispiel der Bitburger Brauerei), Dr.
Meinhard Seekamp, Abteilungsleiter Umwelt und Sicherheit der Emsland Stärke GmbH
Emlichheim Abwasserbehandlung/Wasseraufbereitung und produktionsintegrierte
Kreislaufschließung am Beispiel der Kartoffelstärkegewinnung) und Prof. Dr. Friedrich
Meuser, Lehrstuhl für Getreidetechnologie am Institut für Lebensmitteltechnologie II
der Technischen Universität Berlin (Kreislaufschließung in der Backwarenindustrie:
Aufarbeitung von Rückbrot) referieren. In einer abschließenden Diskussion sollen dann die
Ergebnisse zusammengefaßt und bewertet werden.
Hinweis an die Redaktionen: Den Zeitplan der "11. Osnabrücker Umweltgespräche", zu
denen Sie herzlich eingeladen sind, erhalten Sie auf Anfrage. Die Stiftungsbroschüre
"Biotechnologie - Neue Chancen für den Umweltschutz" (oder falls aktuell benötigt: Kopien
daraus per Fax) mit konkreten Beispielen aus der Fördertätigkeit der Stiftung in diesem
Bereich erhalten Sie ebenfalls gern auf Anfrage.