02.03.1998 | Lackschlammengen Kampf angesagt: Neues Verfahren will Umwelt schonen

Einzellackierung auch von Großbauteilen soll ökologischer werden - Vorbeigespritzter Lack recycelt - Umweltstiftung fördert Modellprojekt

Oelde / Beckum. Mit einem neuentwickelten Verfahren soll schon bald das Lackieren von Maschinen, die aufgrund ihrer Größe nicht in Roboterspritzanlagen bearbeitet werden können, so vereinfacht und industriell machbar werden, daß zum Schutz der Umwelt große Mengen des am Werkstück unvermeidbar vorbeigespritzten Lackes recycelt werden können. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) beschloß jetzt unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer, der Ventilatorenfabrik Oelde und der Bernhard Beumer Maschinenfabrik in Beckum für dieses Modellprojekt 500.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Damit soll, so Stiftungsgeneralsekretär Fritz Brickwedde, "ein wesentlicher Beitrag dazu geleistet werden, die jährlich anfallenden rund 260.000 Tonnen Lackschlämme, die als Sonderabfall aufwendig zu entsorgen sind, nachhaltig zu verringern."

Brickwedde erläuterte in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas, daß nach heutigem Verfahren die am Werkstück vorbeigespritzten Lackanteile, der sogenannte Overspray, über eine Wasserwand abgefangen, damit also Lackteilchen in Wasser gebunden würden. Der Einsatz eines chemischen Produktes zur Trennung der Lackrückstände vom Wasser, der anfallende Lackschlamm und der hohe Abwasseranfall stellten Umweltbelastungen "enormen Ausmaßes" dar. Dieses international übliche Standardverfahren werde zur Zeit auch in der Firma Beumer praktiziert, in dem der Anteil der Lackrückstände bei rund 40 Prozent des Neulackes liege. Brickwedde: "Selbst mit den modernsten Spritzlackierverfahren ist ein Farbauftragswirkungsgrad von maximal 70 Prozent möglich."

Das geplante Entwicklungsprojekt habe nun zum Ziel, ein umweltgerechtes Verfahren zum Erfassen und Abscheiden von Overspray zu entwickeln. Dabei sollen, so Brickwedde, die Farbpartikel so aufgefangen werden, daß sie als Wertstoff bei der Farbherstellung wieder einsetzbar und damit nahezu vollständig wiederverwertet werden können. Problem sei dabei, daß die Overspray-Farbpartikel nur oberflächlich mit einem dünnen Film antrocknen dürften, das Innere flüssig bleibe müsse, weil ansonsten ein Recycling für die Lackproduktion nicht möglich sei. Dazu bedürfe es unter anderem wissenschaftlicher Voruntersuchungen und spezieller Modellrechnungen der Strömungsvorgänge, einer Optimierung der eingesetzten Lacke mit Blick auf ihr Trocknungsverhalten und ihre Verwendbarkeit zum Recycling und der Ermittlung technischer Daten, um für die Lackpartikel beim Abscheideprozeß im Filter einen plastischen oder halbplastischen Zustand zu erreichen.

Zwar existiere bereits ein Verfahren, mit dem trocken abgeschiedene Lackteilchen nahezu vollständig wiederverwertet werden könnten. Allerdings handele es sich dabei um eine maschinelle Serienlackierung von Kleinteilen. Für das hier vorliegende Problem der Einzellackierung von Großteilen sei die direkte Umsetzung dieses Konzeptes aber nicht möglich, weil - etwa durch stark unterschiedlich ausgeprägte Bauteile - grundlegend andere strömungstechnische Bedingungen vorlägen.

Zum Abschluß des Projektes solle dann ein verfahrenstechnisch einfaches, industriell nutzbares Konzept für große Spritzkabinen zur Verfügung stehen, in denen der trotz modernster Spritzlackierverfahren unvermeidbar anfallende Overspray vollständig erfaßt und erstmals als hochwertiger Recyclinglack wiederverwendet werden könne. Da die heute anfallenden Lackschlämme auch mengenmäßig ein großes Umweltproblem darstellten, "kann das beantragte Projekt bei Erreichen des gesteckten Zieles ein weiterer Schritt sein, den gegenüber herkömmlichen Lacken aus Umweltgesichtspunkten günstigeren Wasserlacken zu einer weiteren Verbreitung in der Industrie zu verhelfen", so Brickwedde. Die von der Ventilatorenfabrik Oelde mit wissenschaftlicher Unterstützung entwickelte Methode solle dann bei der Maschinenfabrik Beumer in Beckum modellhaft getestet werden.