Oelde / Beckum. Mit einem neuentwickelten Verfahren soll schon bald das
Lackieren von Maschinen, die aufgrund ihrer Größe nicht in Roboterspritzanlagen
bearbeitet werden können, so vereinfacht und industriell machbar werden, daß zum
Schutz der Umwelt große Mengen des am Werkstück unvermeidbar
vorbeigespritzten Lackes recycelt werden können. Das Kuratorium der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) beschloß jetzt unter Vorsitz von
Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer, der Ventilatorenfabrik Oelde und
der Bernhard Beumer Maschinenfabrik in Beckum für dieses Modellprojekt 500.000
Mark zur Verfügung zu stellen. Damit soll, so Stiftungsgeneralsekretär Fritz
Brickwedde, "ein wesentlicher Beitrag dazu geleistet werden, die jährlich
anfallenden rund 260.000 Tonnen Lackschlämme, die als Sonderabfall aufwendig zu
entsorgen sind, nachhaltig zu verringern."
Brickwedde erläuterte in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas, daß
nach heutigem Verfahren die am Werkstück vorbeigespritzten Lackanteile, der sogenannte
Overspray, über eine Wasserwand abgefangen, damit also Lackteilchen in Wasser gebunden
würden. Der Einsatz eines chemischen Produktes zur Trennung der Lackrückstände vom
Wasser, der anfallende Lackschlamm und der hohe Abwasseranfall stellten
Umweltbelastungen "enormen Ausmaßes" dar. Dieses international übliche
Standardverfahren werde zur Zeit auch in der Firma Beumer praktiziert, in dem der Anteil
der Lackrückstände bei rund 40 Prozent des Neulackes liege. Brickwedde: "Selbst mit den
modernsten Spritzlackierverfahren ist ein Farbauftragswirkungsgrad von maximal 70 Prozent
möglich."
Das geplante Entwicklungsprojekt habe nun zum Ziel, ein umweltgerechtes Verfahren zum
Erfassen und Abscheiden von Overspray zu entwickeln. Dabei sollen, so Brickwedde, die
Farbpartikel so aufgefangen werden, daß sie als Wertstoff bei der Farbherstellung wieder
einsetzbar und damit nahezu vollständig wiederverwertet werden können. Problem sei
dabei, daß die Overspray-Farbpartikel nur oberflächlich mit einem dünnen Film antrocknen
dürften, das Innere flüssig bleibe müsse, weil ansonsten ein Recycling für die
Lackproduktion nicht möglich sei. Dazu bedürfe es unter anderem wissenschaftlicher
Voruntersuchungen und spezieller Modellrechnungen der Strömungsvorgänge, einer
Optimierung der eingesetzten Lacke mit Blick auf ihr Trocknungsverhalten und ihre
Verwendbarkeit zum Recycling und der Ermittlung technischer Daten, um für die
Lackpartikel beim Abscheideprozeß im Filter einen plastischen oder halbplastischen Zustand
zu erreichen.
Zwar existiere bereits ein Verfahren, mit dem trocken abgeschiedene Lackteilchen nahezu
vollständig wiederverwertet werden könnten. Allerdings handele es sich dabei um eine
maschinelle Serienlackierung von Kleinteilen. Für das hier vorliegende Problem der
Einzellackierung von Großteilen sei die direkte Umsetzung dieses Konzeptes aber nicht
möglich, weil - etwa durch stark unterschiedlich ausgeprägte Bauteile - grundlegend andere
strömungstechnische Bedingungen vorlägen.
Zum Abschluß des Projektes solle dann ein verfahrenstechnisch einfaches, industriell
nutzbares Konzept für große Spritzkabinen zur Verfügung stehen, in denen der trotz
modernster Spritzlackierverfahren unvermeidbar anfallende Overspray vollständig erfaßt und
erstmals als hochwertiger Recyclinglack wiederverwendet werden könne. Da die heute
anfallenden Lackschlämme auch mengenmäßig ein großes Umweltproblem darstellten, "kann
das beantragte Projekt bei Erreichen des gesteckten Zieles ein weiterer Schritt sein, den
gegenüber herkömmlichen Lacken aus Umweltgesichtspunkten günstigeren Wasserlacken zu
einer weiteren Verbreitung in der Industrie zu verhelfen", so Brickwedde. Die von der
Ventilatorenfabrik Oelde mit wissenschaftlicher Unterstützung entwickelte Methode solle
dann bei der Maschinenfabrik Beumer in Beckum modellhaft getestet werden.