Wolnzach / Osnabrück. Für die mittelständischen, deutschen Hopfenanbaubetriebe
sollen in ihrem Kampf um möglichst hochwertige, chemisch unbehandelte Dolden,
die sie dem Braugewerbe liefern wollen, Hopfen und Malz noch lange nicht verloren
sein. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) beschloß
unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Professor Dr. Hans Tietmeyer, der Abteilung
Hopfenforschung und -beratung der Bayerischen Landesanstalt für Bodenkultur und
Pflanzenbau in Wolnzach für die Entwicklung eines Verfahrens zur
Schädlingsbekämpfung in der Hopfenproduktion ohne chemische
Pflanzenschutzmittel knapp 600.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Fritz
Brickwedde, Generalsekretär der Stiftung: "Das Projekt hat eine Pilotfunktion für die
Hopfenzüchtung in Deutschland."
Brickwedde betonte in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas, daß die
Dauerkultur Hopfen, die Jahrzehnte auf derselben Fläche angebaut werde, in Deutschland
auf über 21.000 Hektar produziert werde. Um krankheits- und schädlingsfreie Dolden für das
alleinabnehmende Braugewerbe zu bekommen, setzten Hopfenanbauer chemische
Pflanzenschutzmittel ein. Da der Hopfen an sieben Meter hohen Gerüsten wachse und die
gesamte Pflanze erreicht werden müsse, müsse sehr intensiv gespritzt werden, wobei
technisch bedingt erhebliche Pflanzenschutz-mittelmengen abdrifteten.
Das Projekt, an dem 50 Hopfenanbaubetriebe als Kooperationspartner beteiligt seien,
verfolge als erstes Ziel, Hopfensorten zu züchten, die gegen den bedeutendsten Schädling,
die Hopfenblattlaus, widerstandsfähig oder resistent seien. Denn da die Blattlaus erhebliche
Ertragsausfälle verursache, werde Hopfen heute noch regelmäßig vorbeugend chemisch
behandelt. Die Resistenzzüchtung erfolge in Freiland- und Gewächshausversuchen durch
Kreuzung und biotechnologische Methoden.
Ebenfalls sehr intensiv chemisch bekämpft werden müsse zur Zeit auch noch ein weiterer
wichtiger Schädling, die Spinnmilbe, die etwa zwei Drittel der Gärten befalle und nicht mehr
verkaufsfähigen Hopfen zurücklasse. Bei der Spinnmilbe solle als zweites Projektziel eine
Schadensschwelle herausgefunden werden, ab welcher der Einsatz von
Pflanzenschutzmaßnahmen wirtschaftlich notwendig sei. Dadurch könne der Chemieeinsatz
auf das unbedingt erforderliche Maß begrenzt werden. In Abhängigkeit vom Grad des
Milbenbefalls würden hier einzelne Kooperationspartner verpflichtet, Hopfenanlagen
unbehandelt zu lassen. Anhand der so ermittelten Felddaten werde es dann später möglich
sein, eine für alle Anlagen gültige Schadensschwelle festzusetzen und anderen
Hopfenbaubetrieben zu vermitteln.
Schließlich sei es das dritte Ziel, durch physikalische Maßnahmen - wie etwa Leimbarrieren
- chemische Bekämpfungsverfahren zu ersetzen. Hier solle in Zusammenarbeit mit
Landtechnikfirmen eine möglichst arbeitszeitsparende Methode entwickelt werden, an der
insbesondere Betriebe Interesse hätten, die nach ökologischen Richtlinien produzierten.
Die Projektergebnisse sollten allen wichtigen Meinungsführern der Hopfenwirtschaft über
Broschüren, Fachmedien, Landhandel, Genossenschaften, Hopfenhandel sowie die Berater
für Landwirtschaft und Ernährung zugänglich gemacht werden. Auch individuelle
telefonische Beratung sei vorgesehen. Brickwedde: "So kann am Ende der Einsatz großer
Pflanzenschutzmittelmengen verhindert und durch neue Verfahren ein Qualitätsgewinn
erreicht werden, der die Konkurrenzfähigkeit der exportorientierten deutschen
Hopfenwirtschaft auch auf dem internationalen Markt stärkt."