26.02.1998 | Für Blattlaus und Spinnmilbe Hopfen und Malz bald endgültig verloren?

Umweltstiftung fördert Entwicklung eines ökologischen Schädlingsbekämpfungsverfahrens in der Hopfenproduktion mit knapp 600.000 Mark

Wolnzach / Osnabrück. Für die mittelständischen, deutschen Hopfenanbaubetriebe sollen in ihrem Kampf um möglichst hochwertige, chemisch unbehandelte Dolden, die sie dem Braugewerbe liefern wollen, Hopfen und Malz noch lange nicht verloren sein. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) beschloß unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Professor Dr. Hans Tietmeyer, der Abteilung Hopfenforschung und -beratung der Bayerischen Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau in Wolnzach für die Entwicklung eines Verfahrens zur Schädlingsbekämpfung in der Hopfenproduktion ohne chemische Pflanzenschutzmittel knapp 600.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Stiftung: "Das Projekt hat eine Pilotfunktion für die Hopfenzüchtung in Deutschland."

Brickwedde betonte in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas, daß die Dauerkultur Hopfen, die Jahrzehnte auf derselben Fläche angebaut werde, in Deutschland auf über 21.000 Hektar produziert werde. Um krankheits- und schädlingsfreie Dolden für das alleinabnehmende Braugewerbe zu bekommen, setzten Hopfenanbauer chemische Pflanzenschutzmittel ein. Da der Hopfen an sieben Meter hohen Gerüsten wachse und die gesamte Pflanze erreicht werden müsse, müsse sehr intensiv gespritzt werden, wobei technisch bedingt erhebliche Pflanzenschutz-mittelmengen abdrifteten.

Das Projekt, an dem 50 Hopfenanbaubetriebe als Kooperationspartner beteiligt seien, verfolge als erstes Ziel, Hopfensorten zu züchten, die gegen den bedeutendsten Schädling, die Hopfenblattlaus, widerstandsfähig oder resistent seien. Denn da die Blattlaus erhebliche Ertragsausfälle verursache, werde Hopfen heute noch regelmäßig vorbeugend chemisch behandelt. Die Resistenzzüchtung erfolge in Freiland- und Gewächshausversuchen durch Kreuzung und biotechnologische Methoden.

Ebenfalls sehr intensiv chemisch bekämpft werden müsse zur Zeit auch noch ein weiterer wichtiger Schädling, die Spinnmilbe, die etwa zwei Drittel der Gärten befalle und nicht mehr verkaufsfähigen Hopfen zurücklasse. Bei der Spinnmilbe solle als zweites Projektziel eine Schadensschwelle herausgefunden werden, ab welcher der Einsatz von Pflanzenschutzmaßnahmen wirtschaftlich notwendig sei. Dadurch könne der Chemieeinsatz auf das unbedingt erforderliche Maß begrenzt werden. In Abhängigkeit vom Grad des Milbenbefalls würden hier einzelne Kooperationspartner verpflichtet, Hopfenanlagen unbehandelt zu lassen. Anhand der so ermittelten Felddaten werde es dann später möglich sein, eine für alle Anlagen gültige Schadensschwelle festzusetzen und anderen Hopfenbaubetrieben zu vermitteln.

Schließlich sei es das dritte Ziel, durch physikalische Maßnahmen - wie etwa Leimbarrieren - chemische Bekämpfungsverfahren zu ersetzen. Hier solle in Zusammenarbeit mit Landtechnikfirmen eine möglichst arbeitszeitsparende Methode entwickelt werden, an der insbesondere Betriebe Interesse hätten, die nach ökologischen Richtlinien produzierten.

Die Projektergebnisse sollten allen wichtigen Meinungsführern der Hopfenwirtschaft über Broschüren, Fachmedien, Landhandel, Genossenschaften, Hopfenhandel sowie die Berater für Landwirtschaft und Ernährung zugänglich gemacht werden. Auch individuelle telefonische Beratung sei vorgesehen. Brickwedde: "So kann am Ende der Einsatz großer Pflanzenschutzmittelmengen verhindert und durch neue Verfahren ein Qualitätsgewinn erreicht werden, der die Konkurrenzfähigkeit der exportorientierten deutschen Hopfenwirtschaft auch auf dem internationalen Markt stärkt."