Osnabrück / Düsseldorf. "Wir wollen Wege aufzeigen, um unsere Umwelt für
nachfolgende Generationen in einem lebenswerten Zustand zu erhalten. Durch das
Zusammenspiel vieler Initiativen können wir das erreichen. Wir leisten unseren
Beitrag dadurch, daß wir kleine und mittelständische Unternehmen dabei
unterstützen, den produktionsintegrierten Umweltschutz voranzutreiben.
Umweltbelastungen erst gar nicht entstehen zu lassen, ist besser, als Sünden der
Vergangenheit zu korrigieren." - Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück), ging mit diesen Worten wenige Tage vor der
Eröffnung der Messe "ENVITEC" am 2. März in Düsseldorf auf das Engagement der
größten Umweltstiftung Europas zu diesem Thema ein. Die Stiftung wird in der Halle 7,
Stand A 60, mit einem Messestand gemeinsam mit 13 ihrer besonders innovativen
Projektpartner vertreten sein.
Brickwedde betonte, die Umweltstiftung habe sich zum Ziel gesetzt, Innovationen zu fördern,
die zu einer Umweltentlastung oder Ressourcenschonung führten. Gerade bei kleinen und
mittleren Unternehmen sei ein reichhaltiges Potential vorhanden, um durch individuell
optimierte Lösungen zu mehr Umweltentlastung zu gelangen. Diese Ideen auch in die Realität
umzusetzen, habe sich die Deutsche Bundesstiftung Umwelt auf die Fahnen geschrieben.
Die Firma MAFO Systemtechnik aus dem bayerischen Teisendorf zum Beispiel habe, so
Brickwedde, einen kompostierbaren Becher auf Mais-Basis entwickelt. Durch die Verwendung
bewährter Verfahrenstechnologie könne der Becher konkurrenzfähig produziert werden. Der
entwickelte Becher sei für alle kalten Getränke geeignet. Sein Einsatz sei überall dort
ökologisch sinnvoll, wo aus Gründen der Sicherheit oder der Logistik keine Mehrweg- und
Pfandsysteme verwendet werden könnten: bei Konzert- und Sportveranstaltungen sowie bei
Festen "auf der grünen Wiese", wo weder Strom noch Wasser für mobile Spülanlagen von
Mehrweggeschirr zur Verfügung stünden.
Für die Produktion des Bechers sei erstmalig der Rohstoff Polymilchsäure zum Einsatz
gekommen, der aus pflanzlicher Stärke, vor allem aus Mais, gewonnen werde. Der Werkstoff
erfülle alle gesetzlichen Anforderungen für den Kontakt mit Lebensmitteln. Die Verarbeitung
von Polymilchsäure sei mit einer herkömmlichen Spritzguß-Technik wie bei konventionellen
Kunststoffprodukten möglich und dadurch kostengünstig. Polymilchsäure werde innerhalb
weniger Wochen biologisch abgebaut. Die durch Pflanzen im Rohmaterial gebundenen Stoffe
würden über die Kompostierung des Bechers wieder in den Naturhaushalt zurückgeführt.
Zurückbleibender Humus finde als Kompostdünger eine ökologisch sinnvolle Verwendung.
Voraussetzung für diese Entsorgungstechnik seien allerdings getrennte Sammelsysteme für
kompostierbare und nicht kompostierbare Abfälle.
Der kompostierbare Trinkbecher sei im Rahmen einer Umweltwoche in Bayern von einer
Brauerei getestet worden. Diese Pilotanwendung habe Aufschlüsse über die Akzeptanz des
Produkts sowie dessen Praxistauglichkeit geliefert. Bier, Limonade, Fruchtsaft und
Mineralwasser seien im kompostierbaren Becher angeboten worden. Seine mechanischen,
physikalischen und optischen Eigenschaften hätten die Konsumenten positiv bewertet.
Brickwedde: "Die Entwicklung des kompostierbaren Bechers könnte den Weg dafür bereiten,
daß herkömmliche Kunststoffe auch in anderen Bereichen durch biologisch abbaubare
Materialien ersetzt werden."
Ein weiteres Beispiel sei, so Brickwedde, die Firma Ormecon Chemie im
schleswig-holsteinischen Ammersbek. Sie habe ein Rostschutzsystem entwickelt, das die
Schutzwirkung deutlich verbessern könne. Rost verursache jährlich Schäden zwischen 100 und
200 Millionen Mark in Deutschland. Bei langlebigen Investitionsgütern wie Brücken, Masten und
Schiffen werde etwa die Hälfte der Instandsetzungskosten durch Rost verursacht. Sie müßten
in regelmäßigen Abständen gestrichen werden, um Rost zu verhindern.
Das verursache nicht nur Kosten, sondern belaste auch die Umwelt. Vor der Lackierung
würden alte Anstriche entfernt. Dies führe zu Abfällen oder ziehe das Erdreich in der
Umgebung der Bauwerke in Mitleidenschaft. Bei der Lackierung würden Lösemittel freigesetzt,
die zum Sommersmog beitrügen. Der neue Lack basiere auf einer völlig neuen Werkstoffklasse
- den organischen Metallen. Bei diesen Stoffen handele es sich um organische Verbindungen,
die ausschließlich aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und Schwefel
zusammengesetzt seien und trotzdem ähnliche Eigenschaften wie Metalle aufwiesen.
Die organischen Metalle für die Beschichtung, chemisch Polyphenylenamin, seien absolut
unlöslich und nicht schmelzbar. Eine Verarbeitung sei daher nur in Form von Dispersionen
möglich. Entsprechende Dispersionslacke würden direkt auf das Metall aufgebracht.
Umweltbelastende Vorbehandlungsschritte wie die Chromatierung oder die Phosphatierung
könnten entfallen. Der Einsatz dieser Stoffe im Rostschutz basiere auf besonderen
Wirkmechanismen. Die Beschichtung mit der Ormecon-Neuentwicklung führe durch eine
komplexe Reaktionsfolge zu einem Selbstschutz der Stähle. Es bilde sich eine stabile Schicht
aus Eisenoxid. Hierdurch werde der Schutz selbst dann sichergestellt, wenn der Lack bis aufs
blanke Metall verletzt sei.
Die Beschichtung mit organischen Metallen sei bereits in einigen Anwendungen erprobt
worden. Von Schüttgut, wie beispielsweise Schrauben, über Problembereiche wie Stahlbauteile
in der Abwassertechnik bis hin zu Bootsrümpfen hätten sich der verbesserte Rostschutz und
die Anwendungssicherheit des Systems gezeigt. Durch den Einsatz von organischen Metallen
im Rostschutz könnten die Instandsetzungszyklen von Stahlkonstruktionen erheblich
verlängert werden. Brickwedde: "Die neue Verbindungsklasse hilft, die ungeheuren Kosten des
Rostfraßes zu senken. Durch verlängerte Lebensdauer, den Ersatz von umweltbelastenden
Vorbehandlungsverfahren und die Verringerung des Lackieraufwandes bietet das neue Produkt
einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz."