Osnabrück. Durch gemeinsame Kongresse und Tagungen zu zentralen ökologischen
Fragen wollen UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (United Nations,
UN), und Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) zukünftig verstärkt im
Interesse des Umweltschutzes zusammenarbeiten. Dabei werden der Klimaschutz
und die potentiellen Gefahren für den Weltfrieden durch immer knapper werdende
Ressourcen eine zentrale Rolle spielen. - Dieses Fazit zogen heute am Ende eines
zweistündigen Gespräches in Osnabrück Fritz Brickwedde, Generalsekretär der
größten Umweltstiftung Europas, und der neue Leiter der UNEP, Bundesminister a.
D. Professor Dr. Klaus Töpfer. Zum erstenmal seit seinem Dienstantritt am 9.
Februar hatte Töpfer Deutschland am Freitag einen offiziellen Besuch abgestattet
und sich dazu die Umweltstiftung ausgesucht.
UNEP und Stiftung verständigten sich darauf, ökonomischen Instrumenten für den
Umweltschutz in der Umsetzung der klimapolitischen Ziele, wie sie 1992 bei der
UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro formuliert worden waren,
stärker zum Durchbruch zu verhelfen, teilten Töpfer und Brickwedde heute vor Journalisten
in Osnabrück mit. Auch die Bedeutung der Wälder als zentrale Systeme, klimaschädigendes
Kohlenstoffdioxid aus der Umwelt herauszufiltern, solle nachdrücklich betont werden. In
diesem Zusammenhang sei zu klären, was großangelegte Aufforstungsprogramme zum
Erreichen dieses Zieles beitragen könnten.
Zentrales Thema für eine Zusammenarbeit solle allerdings die potentielle Gefahr für den
Weltfrieden aus umweltbedingten Gründen sein. Dabei spiele vor allem die Frage der
Ressourcenknappheit eine wesentliche Rolle. Ziel im Interesse einer nachhaltigen
Entwicklung, die ökologische, ökonomische und soziale Aspekte verknüpfe, müsse einer
schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen sein. Dabei komme vor allem der knappen
Ressource Wasser für eine nachhaltig-friedvolle Entwicklung der Staatengemeinschaft im
Interesse einer Chancensicherung zukünftiger Generationen eine besondere Bedeutung zu
(s. auch gesonderten Bericht).
Gerade für die Region Münster/Osnabrück, die in diesem Jahr den 350. Jahrestag des
"Westfälischen Friedens" feiere, biete sich dieses Thema nachdrücklich an. Deshalb werde
man in den kommenden Tagen und Wochen Gespräche führen mit dem Ziel, diesen Aspekt
in die inhaltliche Gestaltung der Feierlichkeiten einzubeziehen. Auch das "Bellagio-Forum für
nachhaltige Entwicklung", ein Zusammenschluß internationaler Stiftungen mit Sitz in der
Geschäftsstelle der Umweltstiftung, die sich den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben
haben, solle in die Überlegungen einbezogen werden, wie zur Vermeidung
ökologisch-bedingter Krisen Hilfestellungen gegeben werden könnten.
Töpfer erklärte sich im Gespräch mit dem Generalsekretär der Stiftung auch bereit, als
Hauptredner an der Internationalen Sommerakademie der Stiftung vom 26. Juli bis 1. August
im sächsischen Ostritz an der Neiße teilzunehmen, bei der alljährlich ökologische Fragen von
grundsätzlicher Bedeutung erörtert werden. Unter dem Titel "Stoffstrommanagement -
Herausforderung für eine nachhaltige Entwicklung" geht es bei der vierten Sommerakademie
in diesem Jahr darum, die Bedeutung einer systematischen und ganzheitlichen Betrachtung
von Stoff- und Energieströmen "von der Wiege bis zur Bahre" vor dem Hintergrund der
Endlichkeit natürlicher Ressourcen zu diskutieren.
"Ein weiterer ungehemmter Abbau natürlicher Ressourcen", so Brickwedde, "widerspicht der
Forderung, künftigen Generationen die materielle Basis für ihr Wirtschaften nicht zu
verschlechtern." Es müßten ökologische Gesichtspunkte in ökonomische Aktivitäten
einbezogen werden, um so langfristig das Wirtschaften der Industrienationen hinsichtlich
des Ressourcenverbrauchs, der Emissionen und des Abfallaufkommens nachhaltig - also
ökonomisch, ökologisch und sozial verträglich - zu gestalten. Insofern passe das Thema
sehr gut zu den Inhalten, wie sie in der Kooperation zwischen UNEP und Umweltstiftung
festgelegt worden seien.