20.02.1998 | Potentielle Gefahren für Weltfrieden wegen knapper Ressourcen abwenden

UNEP und Umweltstiftung vereinbarten heute Kooperation - UNEP-Chef Prof. Dr. Töpfer in neuer Mission erstmals offiziell in Deutschland

Osnabrück. Durch gemeinsame Kongresse und Tagungen zu zentralen ökologischen Fragen wollen UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (United Nations, UN), und Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) zukünftig verstärkt im Interesse des Umweltschutzes zusammenarbeiten. Dabei werden der Klimaschutz und die potentiellen Gefahren für den Weltfrieden durch immer knapper werdende Ressourcen eine zentrale Rolle spielen. - Dieses Fazit zogen heute am Ende eines zweistündigen Gespräches in Osnabrück Fritz Brickwedde, Generalsekretär der größten Umweltstiftung Europas, und der neue Leiter der UNEP, Bundesminister a. D. Professor Dr. Klaus Töpfer. Zum erstenmal seit seinem Dienstantritt am 9. Februar hatte Töpfer Deutschland am Freitag einen offiziellen Besuch abgestattet und sich dazu die Umweltstiftung ausgesucht.

UNEP und Stiftung verständigten sich darauf, ökonomischen Instrumenten für den Umweltschutz in der Umsetzung der klimapolitischen Ziele, wie sie 1992 bei der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro formuliert worden waren, stärker zum Durchbruch zu verhelfen, teilten Töpfer und Brickwedde heute vor Journalisten in Osnabrück mit. Auch die Bedeutung der Wälder als zentrale Systeme, klimaschädigendes Kohlenstoffdioxid aus der Umwelt herauszufiltern, solle nachdrücklich betont werden. In diesem Zusammenhang sei zu klären, was großangelegte Aufforstungsprogramme zum Erreichen dieses Zieles beitragen könnten.

Zentrales Thema für eine Zusammenarbeit solle allerdings die potentielle Gefahr für den Weltfrieden aus umweltbedingten Gründen sein. Dabei spiele vor allem die Frage der Ressourcenknappheit eine wesentliche Rolle. Ziel im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung, die ökologische, ökonomische und soziale Aspekte verknüpfe, müsse einer schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen sein. Dabei komme vor allem der knappen Ressource Wasser für eine nachhaltig-friedvolle Entwicklung der Staatengemeinschaft im Interesse einer Chancensicherung zukünftiger Generationen eine besondere Bedeutung zu (s. auch gesonderten Bericht).

Gerade für die Region Münster/Osnabrück, die in diesem Jahr den 350. Jahrestag des "Westfälischen Friedens" feiere, biete sich dieses Thema nachdrücklich an. Deshalb werde man in den kommenden Tagen und Wochen Gespräche führen mit dem Ziel, diesen Aspekt in die inhaltliche Gestaltung der Feierlichkeiten einzubeziehen. Auch das "Bellagio-Forum für nachhaltige Entwicklung", ein Zusammenschluß internationaler Stiftungen mit Sitz in der Geschäftsstelle der Umweltstiftung, die sich den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben haben, solle in die Überlegungen einbezogen werden, wie zur Vermeidung ökologisch-bedingter Krisen Hilfestellungen gegeben werden könnten.

Töpfer erklärte sich im Gespräch mit dem Generalsekretär der Stiftung auch bereit, als Hauptredner an der Internationalen Sommerakademie der Stiftung vom 26. Juli bis 1. August im sächsischen Ostritz an der Neiße teilzunehmen, bei der alljährlich ökologische Fragen von grundsätzlicher Bedeutung erörtert werden. Unter dem Titel "Stoffstrommanagement - Herausforderung für eine nachhaltige Entwicklung" geht es bei der vierten Sommerakademie in diesem Jahr darum, die Bedeutung einer systematischen und ganzheitlichen Betrachtung von Stoff- und Energieströmen "von der Wiege bis zur Bahre" vor dem Hintergrund der Endlichkeit natürlicher Ressourcen zu diskutieren.

"Ein weiterer ungehemmter Abbau natürlicher Ressourcen", so Brickwedde, "widerspicht der Forderung, künftigen Generationen die materielle Basis für ihr Wirtschaften nicht zu verschlechtern." Es müßten ökologische Gesichtspunkte in ökonomische Aktivitäten einbezogen werden, um so langfristig das Wirtschaften der Industrienationen hinsichtlich des Ressourcenverbrauchs, der Emissionen und des Abfallaufkommens nachhaltig - also ökonomisch, ökologisch und sozial verträglich - zu gestalten. Insofern passe das Thema sehr gut zu den Inhalten, wie sie in der Kooperation zwischen UNEP und Umweltstiftung festgelegt worden seien.