20.02.1998 | UNEP-Chef Töpfer warnt vor weltweiten Konflikten wegen fehlenden Wassers

Erster offizieller Besuch Deutschlands des Ex-Bundesministers in neuer Mission bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück

Osnabrück / Nairobi. Vor den Gefahren eines weltweiten Konflikt oder gar Krieges wegen fehlender Wasserressourcen hat heute in Osnabrück Professor Dr. Klaus Töpfer gewarnt. Der neue Leiter der UNEP, des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (United Nations, UN), wies anläßlich seines ersten offiziellen Deutschlandbesuchs nach seinem Dienstantritt am 9. Februar, der ihn zu der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geführt hatte, darauf hin, daß zur Vermeidung eines solchen internationalen Konflikts diesem Problem dringend politische Aufmerksamkeit gewidmet werden müsse.

Töpfer betonte, daß es global gesehen in fast allen Regionen der Welt Trinkwasserprobleme gebe. Rund 25.000 Menschen stürben täglich aufgrund schlechter Wasserqualität, ungefähr 1,7 Milliarden Menschen, mehr als ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung, hätten keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Zu Beginn des nächsten Jahrtausends seien schätzungsweise 25 Prozent der Erde von chronischem Wassermangel betroffen.

Als wesentliche Probleme nannte Töpfer die gerechte Verteilung des Wassers an die Länder, die an internationale Fließgewässer grenzten, nicht geklärte Einträge von Schadstoffen in Gewässer und die zentralen Auswirkungen großer Staudamm- und Umleitungsprojekte auf die Menschen. Der Zugang zu Frischwasservorräten werde in manchen Regionen zukünftig die wirtschaftliche Entwicklung weit mehr beeinflussen als andere Faktoren.

Töpfer kritisierte auch die zunehmenden Umweltverschmutzungen, die vom Festland auf die bevölkerungsreichen Küstenregionen ausgingen. Immerhin lebten rund 60 Prozent der Weltbevölkerung in einer Entfernung von bis zu 100 Kilometern zur Küste. Mehr als drei Milliarden Menschen nutzten die Küsten und die marinen Regionen als Nahrungsquelle, zum Transport oder als Erholungsraum. Auch in Europa seien 80 Prozent der Küstenregionen gefährdet.

Auch die Überfischung der Meere und die daraus resultierenden negativen, wirtschaftlichen Auswirkungen stellte Töpfer in Osnabrück an den Pranger. In Teilen Asiens, des Pazifiks, Nordamerikas, Europas und Westasiens sei das ein weitverbreitetes Problem.