18.02.1998 | In neuer Mission erstmals offiziell in Deutschland: UNEP-Chef Töpfer und Umweltstiftung suchen Kooperation

Ex-Bundesbau- und -umweltminister am Freitag in Osnabrück zu Gast - Gemeinsame Perspektiven sollen erörtert werden

Osnabrück / Nairobi. Premiere in Deutschland, Premiere in Osnabrück! Zum erstenmal seit seinem Dienstantritt am 9. Februar stattet der neue Leiter der UNEP, des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (United Nations, US), Bundesminister a.D. Professor Dr. Klaus Töpfer, Deutschland am Freitag einen offiziellen Besuch ab. Ziel der Visite: die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, (Osnabrück). "Wir wollen klären, ob Kooperationen zwischen UNEP und Umweltstiftung möglich sind," skizziert Fritz Brickwedde, Generalsekretär der größten Umweltstiftung Europas, die Themen, die in Osnabrück erörtert werden sollen. Töpfer ist eingeladen, Hauptredner bei der Internationalen Sommerakademie der Stiftung vom 26. Juli bis 1. August im sächsischen Ostritz an der Neiße zu sein, bei der alljährlich ökologische Fragen von grundsätzlicher Bedeutung erörtert werden.

Prof. Dr. Töpfer ist dem Umweltschutz seit Jahrzehnten verbunden. Vor 20 Jahren kam er als Staatssekretär ins Mainzer Umweltministerium, 1985 wurde er dort Minister. Zwei Jahre später übernahm er das Bonner Umweltministerium. Er setzte den Ausstieg aus der Produktion der klimaschädigenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) durch, ließ verbleites Benzin verbieten, führte das Duale System ein und brachte das Kreislaufwirtschaftsgesetz auf den Weg. International setzte der 59jährige ebenfalls Zeichen. 1992 gehörte er zu den Mitgestaltern der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro, unter anderem als Vorsitzender der Kommission für nachhaltige Entwicklung.

Auch in seiner Zeit als Bundesbauminister, von 1994 bis zum 14. Januar 1998, ließ den nach Norbert Blüm bis dahin dienstältesten Minister im Kabinett Kohl die Ökologie nie ganz los. Seine Erfahrungen im Umweltressort sorgten dafür, daß im Bereich der Stadtentwicklung und des energiesparenden Bauens Umweltaspekte verstärkt einflossen.

Bei der UNEP will der Wirtschaftswissenschaftler, der als Professor Ende der 70er Jahre an der Universität Hannover lehrte, nach einer nüchternen Analyse deutliche Schwerpunkte setzen und der UN-Umweltorganisation wieder eine hörbare politische Stimme geben, wie Töpfer in verschiedenen Interviews bekundete. Dazu hat er sich thematisch den Klimaschutz, die Sicherung der Süßwasserversorgung und den Bodenschutz auf die Fahnen geschrieben. Der Maßstab für Töpfer ist eine nachhaltige Entwicklung, die wirtschaftliches Wachstum mit sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Stabilität verbindet und die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen sichert. Töpfer will als UNEP-Chef die Kluft zwischen wohlhabendem Norden und darbendem Süden ein Stück weit schließen und durch den Schutz natürlicher Ressourcen auch aktive Friedenspolitik betreiben.

Die UNEP wurde 1972 gegründet. Hauptsitz ist Nairobi, Kenias Hauptstadt und einziger Standort der Vereinten Nationen in Afrika. Büros gibt es aber wegen der notwendigen Nähe zu UN-Generalsekretär Kofi Annan auch in New York sowie in Genf und Paris. Der Etat der UNEP liegt für die kommenden zwei Jahre bei 75 Millionen Dollar.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt wurde im breiten politischen Konsens durch Beschluß des Deutschen Bundestages im Jahre 1990 gegründet und nahm am 1. März 1991 als selbständige Stiftung ihre Fördertätigkeit auf. Sie ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts und gehört mit dem Erlös aus der Privatisierung der Salzgitter Aktiengesellschaft von ursprünglich rund 2,5 Milliarden Mark zu den größten Stiftungen der Welt.

Die Erträge aus dem Stiftungsvermögen - jährlich rund 150 Millionen Mark - stehen für die Förderaufgaben der Umweltstiftung zur Verfügung. Hauptaufgabe der Stiftung mit Sitz in Osnabrück ist es, Vorhaben zum Schutz der Umwelt in den Bereichen Technik, Forschung und Bildung zu fördern. Dabei wird die mittelständische Wirtschaft im Bereich des produktionsintegrierten, vorbeugenden Umweltschutzes besonders berücksichtigt. Seit Gründung der Stiftung wurden über 2.700 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 1,3 Milliarden Mark gefördert.

Hinweis an die Redaktionen: Im Anschluß an das Gespräch laden wir Sie am Freitag, 20. Februar 1998, um 12 Uhr in die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, An der Bornau 2, 49090 Osnabrück, zu einem Pressegespräch ein.