Osnabrück / Nairobi. Premiere in Deutschland, Premiere in Osnabrück! Zum
erstenmal seit seinem Dienstantritt am 9. Februar stattet der neue Leiter der UNEP,
des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (United Nations, US),
Bundesminister a.D. Professor Dr. Klaus Töpfer, Deutschland am Freitag einen
offiziellen Besuch ab. Ziel der Visite: die Deutsche Bundesstiftung Umwelt,
(Osnabrück). "Wir wollen klären, ob Kooperationen zwischen UNEP und
Umweltstiftung möglich sind," skizziert Fritz Brickwedde, Generalsekretär der
größten Umweltstiftung Europas, die Themen, die in Osnabrück erörtert werden
sollen. Töpfer ist eingeladen, Hauptredner bei der Internationalen
Sommerakademie der Stiftung vom 26. Juli bis 1. August im sächsischen Ostritz an
der Neiße zu sein, bei der alljährlich ökologische Fragen von grundsätzlicher
Bedeutung erörtert werden.
Prof. Dr. Töpfer ist dem Umweltschutz seit Jahrzehnten verbunden. Vor 20 Jahren kam er
als Staatssekretär ins Mainzer Umweltministerium, 1985 wurde er dort Minister. Zwei Jahre
später übernahm er das Bonner Umweltministerium. Er setzte den Ausstieg aus der
Produktion der klimaschädigenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) durch, ließ
verbleites Benzin verbieten, führte das Duale System ein und brachte das
Kreislaufwirtschaftsgesetz auf den Weg. International setzte der 59jährige ebenfalls
Zeichen. 1992 gehörte er zu den Mitgestaltern der UN-Konferenz für Umwelt und
Entwicklung in Rio de Janeiro, unter anderem als Vorsitzender der Kommission für
nachhaltige Entwicklung.
Auch in seiner Zeit als Bundesbauminister, von 1994 bis zum 14. Januar 1998, ließ den nach
Norbert Blüm bis dahin dienstältesten Minister im Kabinett Kohl die Ökologie nie ganz los.
Seine Erfahrungen im Umweltressort sorgten dafür, daß im Bereich der Stadtentwicklung
und des energiesparenden Bauens Umweltaspekte verstärkt einflossen.
Bei der UNEP will der Wirtschaftswissenschaftler, der als Professor Ende der 70er Jahre an
der Universität Hannover lehrte, nach einer nüchternen Analyse deutliche Schwerpunkte
setzen und der UN-Umweltorganisation wieder eine hörbare politische Stimme geben, wie
Töpfer in verschiedenen Interviews bekundete. Dazu hat er sich thematisch den
Klimaschutz, die Sicherung der Süßwasserversorgung und den Bodenschutz auf die Fahnen
geschrieben. Der Maßstab für Töpfer ist eine nachhaltige Entwicklung, die wirtschaftliches
Wachstum mit sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Stabilität verbindet und die
Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen sichert. Töpfer will als UNEP-Chef die Kluft
zwischen wohlhabendem Norden und darbendem Süden ein Stück weit schließen und durch
den Schutz natürlicher Ressourcen auch aktive Friedenspolitik betreiben.
Die UNEP wurde 1972 gegründet. Hauptsitz ist Nairobi, Kenias Hauptstadt und einziger
Standort der Vereinten Nationen in Afrika. Büros gibt es aber wegen der notwendigen Nähe
zu UN-Generalsekretär Kofi Annan auch in New York sowie in Genf und Paris. Der Etat der
UNEP liegt für die kommenden zwei Jahre bei 75 Millionen Dollar.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt wurde im breiten politischen Konsens durch Beschluß
des Deutschen Bundestages im Jahre 1990 gegründet und nahm am 1. März 1991 als
selbständige Stiftung ihre Fördertätigkeit auf. Sie ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts und
gehört mit dem Erlös aus der Privatisierung der Salzgitter Aktiengesellschaft von
ursprünglich rund 2,5 Milliarden Mark zu den größten Stiftungen der Welt.
Die Erträge aus dem Stiftungsvermögen - jährlich rund 150 Millionen Mark - stehen für die
Förderaufgaben der Umweltstiftung zur Verfügung. Hauptaufgabe der Stiftung mit Sitz in
Osnabrück ist es, Vorhaben zum Schutz der Umwelt in den Bereichen Technik, Forschung
und Bildung zu fördern. Dabei wird die mittelständische Wirtschaft im Bereich des
produktionsintegrierten, vorbeugenden Umweltschutzes besonders berücksichtigt. Seit
Gründung der Stiftung wurden über 2.700 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 1,3
Milliarden Mark gefördert.
Hinweis an die Redaktionen: Im Anschluß an das Gespräch laden wir Sie am Freitag,
20. Februar 1998, um 12 Uhr in die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, An der Bornau
2, 49090 Osnabrück, zu einem Pressegespräch ein.