16.02.1998 | Reisen ohne Öko-Reue: neues Gütesiegel verhilft Teens und Twens zu sanftem, nachhaltigem Tourismus

Bundesstiftung Umwelt fördert Entwicklung eines Qualifizierungskonzeptes für Jugendreisen mit 420.000 Mark - Jugendherbergswerk Partner

Detmold / Osnabrück. Wenn sich die rund 10,6 Millionen "Teens" und "Twens" alljährlich anschicken, die "schönste Zeit des Jahres" zu verplanen, werden sie zukünftig auch nach einheitlichen Qualitätskriterien entwickelte Ökostandards berücksichtigen können. Das Kuratorium der Deutsche Bundesstiftung Umwelt, (Osnabrück) beschloß jetzt unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Professor Dr. Hans Tietmeyer, der Arbeitsgemeinschaft "Jugendreisen mit Einsicht" unter Federführung des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) in Detmold für die Entwicklung eines Qualifizierungskonzeptes von Jugendreisen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung rund 420.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Damit sei zu erwarten, so Stiftungsgeneralsekretär Fritz Brickwedde, "daß die Angebote an umweltgerechten Jugendreisen einem klar vergrößerten Kreis vermittelt und durch ein einheitliches Gütezeichen durchsichtiger werden."

Brickwedde betonte in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas, daß seit 1985 eine konstante Zunahme des Interesses an Veranstaltungsreisen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu verzeichnen sei. Rund drei Millionen junger Leute buchten Pauschalreisen, zwei Millionen nutzten dabei die Angebote nichtkommerzieller Anbieter wie Vereine und Verbände. Hinzu kämen noch einmal rund drei Millionen Schüler jährlich, die auf Klassenfahrten unterwegs seien. Hier liege der Marktanteil des DJH bei 55 bis 60 Prozent.

Doch nicht nur quantitativ, auch qualitativ komme den Jugendreisen eine "wichtige Pionierfunktion" hin zu einem sanfteren, nachhaltigen Tourismus zu, weil auch das Reiseverhalten in jungen Jahren entscheidend geprägt werde. Das Problem allerdings sei, daß es vergleichbare Qualitätszeichen nicht gebe, ökologische Aspekte deshalb bei der Reiseplanung nicht ausreichend berücksichtigt werden könnten.

Das jetzt von der Umweltstiftung geförderte Projekt diene genau diesem Ziel, durch die Entwicklung von Qualitätskriterien einen einheitlichen Rahmen für die Beurteilung von Jugendreiseangeboten mit Qualitätssiegel zu schaffen. Die ökologischen Auswirkungen des Reisens sollten durchsichtiger vermittelt werden, Jugendreiseleiter und -veranstalter geschult und ihnen gezielte Anreize zur Einführung umweltverträglicher Tourismusangebote gegeben werden.

In einer ersten Phase werde sich die Arbeitsgemeinschaft "Jugendreisen mit Einsicht", in der die wichtigsten Organisationen aus dem Bereich der Jugendreisen zusammengeschlossen sind, daran begeben, gemeinsame Qualitätskriterien, einen "Ökostandard für Jugendreisen" zu entwerfen. Ein entsprechendes Qualitätszeichen, das neben ökologischen auch andere qualitative Kriterien für die Reiseangebote enthalte, solle entwickelt werden. In einem zweiten Schritt solle dann ein Konzept erarbeitet werden, das der Verbreitung dieser Idee diene. Die so qualifizierten Reisen sollten in einen gemeinsamen Katalog aufgenommen, in Informationssysteme eingebunden und etwa auch auf Messen präsentiert werden.

In einer dritten Phase solle ein öffentlichkeitswirksamer Wettbewerb den Bekanntheitsgrad des neuen Gütesiegels steigern. Die Gewinner in den Kategorien Kinderreisen (bis 15 Jahre), Jugendreisen (16 bis 27), Eltern-Kind-Reisen und Klassenfahrten sollten auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) ausgezeichnet werden. Zum Schluß solle beim "Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung" (RAL) ein offizielles Anerkennungsverfahren für das Qualitätszeichen durchgeführt werden. Begleitet werde das Projekt durch ein umfangreiches Aus- und Weiterbildungspaket für Reiseleiter und -veranstalter. Dadurch werde sichergestellt, daß bei der Umsetzung der Reiseangebote die geforderten Qualitätskriterien erfüllt würden.

Wichtig sei, so Brickwedde abschließend, daß der Umweltschutzgedanke in den Jugendtourismus "nicht mit erhobenem Zeigefinger" eingebracht werde: "Es muß gelingen, Spaß, gemeinsames Erleben und Erholung zu einem attraktiven Tourismusangebot zu kombinieren und dabei Umweltstandards nachhaltig zu erfüllen."