Detmold / Osnabrück. Wenn sich die rund 10,6 Millionen "Teens" und "Twens"
alljährlich anschicken, die "schönste Zeit des Jahres" zu verplanen, werden sie
zukünftig auch nach einheitlichen Qualitätskriterien entwickelte Ökostandards
berücksichtigen können. Das Kuratorium der Deutsche Bundesstiftung Umwelt,
(Osnabrück) beschloß jetzt unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Professor Dr.
Hans Tietmeyer, der Arbeitsgemeinschaft "Jugendreisen mit Einsicht" unter
Federführung des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) in Detmold für die
Entwicklung eines Qualifizierungskonzeptes von Jugendreisen im Sinne einer
nachhaltigen Entwicklung rund 420.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Damit sei zu
erwarten, so Stiftungsgeneralsekretär Fritz Brickwedde, "daß die Angebote an
umweltgerechten Jugendreisen einem klar vergrößerten Kreis vermittelt und durch
ein einheitliches Gütezeichen durchsichtiger werden."
Brickwedde betonte in einer Pressemitteilung der größten Umweltstiftung Europas, daß seit
1985 eine konstante Zunahme des Interesses an Veranstaltungsreisen bei Jugendlichen und
jungen Erwachsenen zu verzeichnen sei. Rund drei Millionen junger Leute buchten
Pauschalreisen, zwei Millionen nutzten dabei die Angebote nichtkommerzieller Anbieter wie
Vereine und Verbände. Hinzu kämen noch einmal rund drei Millionen Schüler jährlich, die auf
Klassenfahrten unterwegs seien. Hier liege der Marktanteil des DJH bei 55 bis 60 Prozent.
Doch nicht nur quantitativ, auch qualitativ komme den Jugendreisen eine "wichtige
Pionierfunktion" hin zu einem sanfteren, nachhaltigen Tourismus zu, weil auch das
Reiseverhalten in jungen Jahren entscheidend geprägt werde. Das Problem allerdings sei,
daß es vergleichbare Qualitätszeichen nicht gebe, ökologische Aspekte deshalb bei der
Reiseplanung nicht ausreichend berücksichtigt werden könnten.
Das jetzt von der Umweltstiftung geförderte Projekt diene genau diesem Ziel, durch die
Entwicklung von Qualitätskriterien einen einheitlichen Rahmen für die Beurteilung von
Jugendreiseangeboten mit Qualitätssiegel zu schaffen. Die ökologischen Auswirkungen des
Reisens sollten durchsichtiger vermittelt werden, Jugendreiseleiter und -veranstalter
geschult und ihnen gezielte Anreize zur Einführung umweltverträglicher Tourismusangebote
gegeben werden.
In einer ersten Phase werde sich die Arbeitsgemeinschaft "Jugendreisen mit Einsicht", in der
die wichtigsten Organisationen aus dem Bereich der Jugendreisen zusammengeschlossen
sind, daran begeben, gemeinsame Qualitätskriterien, einen "Ökostandard für Jugendreisen"
zu entwerfen. Ein entsprechendes Qualitätszeichen, das neben ökologischen auch andere
qualitative Kriterien für die Reiseangebote enthalte, solle entwickelt werden. In einem
zweiten Schritt solle dann ein Konzept erarbeitet werden, das der Verbreitung dieser Idee
diene. Die so qualifizierten Reisen sollten in einen gemeinsamen Katalog aufgenommen, in
Informationssysteme eingebunden und etwa auch auf Messen präsentiert werden.
In einer dritten Phase solle ein öffentlichkeitswirksamer Wettbewerb den Bekanntheitsgrad
des neuen Gütesiegels steigern. Die Gewinner in den Kategorien Kinderreisen (bis 15 Jahre),
Jugendreisen (16 bis 27), Eltern-Kind-Reisen und Klassenfahrten sollten auf der
Internationalen Tourismusbörse (ITB) ausgezeichnet werden. Zum Schluß solle beim
"Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung" (RAL) ein offizielles
Anerkennungsverfahren für das Qualitätszeichen durchgeführt werden. Begleitet werde das
Projekt durch ein umfangreiches Aus- und Weiterbildungspaket für Reiseleiter und
-veranstalter. Dadurch werde sichergestellt, daß bei der Umsetzung der Reiseangebote die
geforderten Qualitätskriterien erfüllt würden.
Wichtig sei, so Brickwedde abschließend, daß der Umweltschutzgedanke in den
Jugendtourismus "nicht mit erhobenem Zeigefinger" eingebracht werde: "Es muß gelingen,
Spaß, gemeinsames Erleben und Erholung zu einem attraktiven Tourismusangebot zu
kombinieren und dabei Umweltstandards nachhaltig zu erfüllen."