05.02.1998 | Drachenburg fängt für Umweltschutz Feuer: bald Modell-Bildungszentrum

Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert Umbau der Vorburg mit rund 1,9 Millionen Mark - Unterschiedliche Zielgruppen sensibilisieren

Königswinter / Osnabrück. Die Vorburg des zwischen 1881 und 1884 erbauten Schlosses Drachenburg in Königswinter im Siebengebirge soll in absehbarer Zukunft zu einem für Deutschland einzigartigen Umweltbildungszentrum umgebaut werden. Das Kuratorium der Deutsche Bundesstiftung Umwelt, (Osnabrück) beschloß unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer, der "Stiftung Archiv, Forum und Museum zur Geschichte des Naturschutzes in Deutschland" für diese Zwecke rund 1,9 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Zentrales Anliegen soll es sein, Kurzzeittouristen ergebnisorientiert anzusprechen, um ihnen den Zugang zu umweltgeschichtlichen Zusammenhängen zu erschließen. Aber auch Akteure im Natur- und Umweltschutz, Schulen und Hochschulen sollen auf 1.200 Quadratmetern Nutzfläche und vier Etagen "originell, neuartig und höchst anspruchsvoll" angesprochen werden, wie es Stiftungsgeneralsekretär Fritz Brickwedde formulierte.

In einer Pressemitteilung ging Brickwedde, Generalsekretär der größten Umweltstiftung Europas, heute auf Einzelheiten des Projektes ein, hinter dessen Umsetzung die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Brandenburg sowie die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat und Kulturpflege als Stifter stehen. Die geplante Einrichtung solle als "Ort historischen Lernens und Erlebens" der Vermittlung von Expertenwissen an unterschiedliche Zielgruppen dienen. Denn Umweltschutz könne auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn die Mehrheit der Bevölkerung ihn mittrage.

Schloß Drachenburg biete hier einen idealen Ansatzpunkt, besuchten diese Region Deutschlands doch immerhin drei Millionen Touristen pro Jahr. Außerdem existierten in der Region 300 Schulen mit rund 100.000 Schülern, die über begleitende Projektarbeit, Planspiele, neue Methoden der Gruppenarbeit und Zukunftswerkstätten an verschiedene Konfliktfelder des Umwelt- und Naturschutzes herangeführt werden könnten. Dabei seien Informations- und Kommunikationstechniken vorgesehen, die gerade jungen Besuchern ein attraktives und spannendes Lernerlebnis garantierten.

In dem zukünftigen Archiv werde eine Zentralstelle für eine systematische Ermittlung und Erfassung, Sammlung und Ordnung sowie Aufbereitung und Auswertung wichtiger Dokumente für die Natur- und Umweltschutzgeschichte in Deutschland aufgebaut. Dabei solle etwa die gesellschaftliche Rolle des Natur- und Umweltschutzes in Deutschland als Quelle der Umweltbewegung herausgearbeitet werden. Gesammelte und archivierte Dokumente sollten für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt und historische Quellen so erfaßt und aufbereitet werden, daß sie für Forschungs- und Ausstellungszwecke verfügbar gemacht werden könnten.

Im Museumsbereich sollten über Dauer- und Wechselausstellungen, Vortragsreihen, Symposien, Diskussionsveranstaltungen, Workshops, Kurse, Exkursionen, Ausstellungsgesprächen und Printmedien die Arbeitsgebiete des Museums allen Interessierten zugänglich gemacht werden. Dabei sollten entdeckendes und selbsterfahrendes Lernen im Vordergrund stehen.

Über Archiv und Museum hinaus sollten im Rahmen eines Forums engagierte Umwelt- und Naturschützer, Wissenschaftler und Forscher verschiedener Fachgebiete, interessierte Laien, Schulen und Verbände Gelegenheit zu Dialog und Kommunikation erhalten. Hierbei solle es etwa um die Grenzen der Belastbarkeit von Ökosystemen gehen, um das Thema Naturschutz und Tourismus, um Grenzen und Reichweiten von Natur- und Umweltschutzkonzepten oder um Möglichkeiten, bereits eingetretene Umweltschäden durch neue Technologien wieder zu beheben. Im Blickpunkt stünden aber auch Menschen in Bürgerinitiativen und Vereinen und die Frage, was sie durch ihren Einsatz für den Natur- und Umweltschutz hätten erreichen wollen und was sie erreicht hätten.

Dabei verstehe sich die neue Einrichtung nicht als Konkurrenz zu anderen Bildungsstätten im Bereich Natur- und Umweltschutz. Sie sehe sich vielmehr als Angebot, die bereits bestehende Bildungs-, Forschungs- und Vermittlungsarbeit auf nationaler und internationaler Ebene und unter Berücksichtigung interdisziplinärer Ansätze in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Verbänden weiter zu vernetzen. Gerade dies sei, so Brickwedde, von großer Bedeutung. Zahlreiche Initiativen, Sammlungen und Projekte könnten ihre Wirkung nur unzureichend entfalten, weil eine zentrale Institution und ein zentrales Forum des Dialogs in Deutschland fehlten. Brickwedde: "Es existiert in Deutschland keine Einrichtung, die sich speziell mit den Wechselwirkungen und vielfältigen Abhängigkeiten einer Geschichte des Natur- und Umweltschutzes einerseits und den gesellschaftspolitischen und kulturellen Entwicklungen in Deutschland andererseits auseinandersetzt und diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht."

Hier biete das überzeugend innovative, umweltpädagogisch-didaktische Konzept gute Voraussetzungen, ein gutes Stück wichtiger Arbeit zu leisten, indem es eine erhebliche Lücke im Institutionen- und Instrumentariensystem des Natur- und Umweltschutzes in Deutschland schließe. Brickwedde: "Die Geschichte des Naturschutzes in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern sehr vielseitig, zum Teil wechselvoll und auch politisch höchst interessant. Daher ist sie es wert, umfassend aufgearbeitet, dokumentiert und auch wissenschaftlich nutzbar gemacht zu werden."