Königswinter / Osnabrück. Die Vorburg des zwischen 1881 und 1884 erbauten
Schlosses Drachenburg in Königswinter im Siebengebirge soll in absehbarer Zukunft
zu einem für Deutschland einzigartigen Umweltbildungszentrum umgebaut werden.
Das Kuratorium der Deutsche Bundesstiftung Umwelt, (Osnabrück) beschloß unter
Vorsitz von Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer, der "Stiftung Archiv,
Forum und Museum zur Geschichte des Naturschutzes in Deutschland" für diese
Zwecke rund 1,9 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Zentrales Anliegen soll es
sein, Kurzzeittouristen ergebnisorientiert anzusprechen, um ihnen den Zugang zu
umweltgeschichtlichen Zusammenhängen zu erschließen. Aber auch Akteure im
Natur- und Umweltschutz, Schulen und Hochschulen sollen auf 1.200
Quadratmetern Nutzfläche und vier Etagen "originell, neuartig und höchst
anspruchsvoll" angesprochen werden, wie es Stiftungsgeneralsekretär Fritz
Brickwedde formulierte.
In einer Pressemitteilung ging Brickwedde, Generalsekretär der größten Umweltstiftung
Europas, heute auf Einzelheiten des Projektes ein, hinter dessen Umsetzung die
Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Brandenburg sowie die
Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat und Kulturpflege als Stifter stehen. Die
geplante Einrichtung solle als "Ort historischen Lernens und Erlebens" der Vermittlung von
Expertenwissen an unterschiedliche Zielgruppen dienen. Denn Umweltschutz könne auf
Dauer nur erfolgreich sein, wenn die Mehrheit der Bevölkerung ihn mittrage.
Schloß Drachenburg biete hier einen idealen Ansatzpunkt, besuchten diese Region
Deutschlands doch immerhin drei Millionen Touristen pro Jahr. Außerdem existierten in der
Region 300 Schulen mit rund 100.000 Schülern, die über begleitende Projektarbeit,
Planspiele, neue Methoden der Gruppenarbeit und Zukunftswerkstätten an verschiedene
Konfliktfelder des Umwelt- und Naturschutzes herangeführt werden könnten. Dabei seien
Informations- und Kommunikationstechniken vorgesehen, die gerade jungen Besuchern ein
attraktives und spannendes Lernerlebnis garantierten.
In dem zukünftigen Archiv werde eine Zentralstelle für eine systematische Ermittlung und
Erfassung, Sammlung und Ordnung sowie Aufbereitung und Auswertung wichtiger
Dokumente für die Natur- und Umweltschutzgeschichte in Deutschland aufgebaut. Dabei
solle etwa die gesellschaftliche Rolle des Natur- und Umweltschutzes in Deutschland als
Quelle der Umweltbewegung herausgearbeitet werden. Gesammelte und archivierte
Dokumente sollten für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt und historische Quellen so
erfaßt und aufbereitet werden, daß sie für Forschungs- und Ausstellungszwecke verfügbar
gemacht werden könnten.
Im Museumsbereich sollten über Dauer- und Wechselausstellungen, Vortragsreihen,
Symposien, Diskussionsveranstaltungen, Workshops, Kurse, Exkursionen,
Ausstellungsgesprächen und Printmedien die Arbeitsgebiete des Museums allen
Interessierten zugänglich gemacht werden. Dabei sollten entdeckendes und
selbsterfahrendes Lernen im Vordergrund stehen.
Über Archiv und Museum hinaus sollten im Rahmen eines Forums engagierte Umwelt- und
Naturschützer, Wissenschaftler und Forscher verschiedener Fachgebiete, interessierte
Laien, Schulen und Verbände Gelegenheit zu Dialog und Kommunikation erhalten. Hierbei
solle es etwa um die Grenzen der Belastbarkeit von Ökosystemen gehen, um das Thema
Naturschutz und Tourismus, um Grenzen und Reichweiten von Natur- und
Umweltschutzkonzepten oder um Möglichkeiten, bereits eingetretene Umweltschäden durch
neue Technologien wieder zu beheben. Im Blickpunkt stünden aber auch Menschen in
Bürgerinitiativen und Vereinen und die Frage, was sie durch ihren Einsatz für den Natur-
und Umweltschutz hätten erreichen wollen und was sie erreicht hätten.
Dabei verstehe sich die neue Einrichtung nicht als Konkurrenz zu anderen Bildungsstätten
im Bereich Natur- und Umweltschutz. Sie sehe sich vielmehr als Angebot, die bereits
bestehende Bildungs-, Forschungs- und Vermittlungsarbeit auf nationaler und
internationaler Ebene und unter Berücksichtigung interdisziplinärer Ansätze in
Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Verbänden weiter zu vernetzen. Gerade dies
sei, so Brickwedde, von großer Bedeutung. Zahlreiche Initiativen, Sammlungen und Projekte
könnten ihre Wirkung nur unzureichend entfalten, weil eine zentrale Institution und ein
zentrales Forum des Dialogs in Deutschland fehlten. Brickwedde: "Es existiert in
Deutschland keine Einrichtung, die sich speziell mit den Wechselwirkungen und vielfältigen
Abhängigkeiten einer Geschichte des Natur- und Umweltschutzes einerseits und den
gesellschaftspolitischen und kulturellen Entwicklungen in Deutschland andererseits
auseinandersetzt und diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht."
Hier biete das überzeugend innovative, umweltpädagogisch-didaktische Konzept gute
Voraussetzungen, ein gutes Stück wichtiger Arbeit zu leisten, indem es eine erhebliche
Lücke im Institutionen- und Instrumentariensystem des Natur- und Umweltschutzes in
Deutschland schließe. Brickwedde: "Die Geschichte des Naturschutzes in Deutschland ist im
Vergleich zu anderen Ländern sehr vielseitig, zum Teil wechselvoll und auch politisch höchst
interessant. Daher ist sie es wert, umfassend aufgearbeitet, dokumentiert und auch
wissenschaftlich nutzbar gemacht zu werden."