Osnabrück / Rehm-Flehde-Bargen. Mit der Übergabe der wasserrechtlichen Genehmigungen durch den Landrat des
Kreises Dithmarschen, Dr. Jörn
Klimant, an Horst und Gudrun
Anhalt wurde die neue biologische Tankreinigungsanlage der
Spedition Horst Anhalt in
Rehm-Flehde-Bargen auch offiziell ihrer Bestimmung übergeben. In dieser zweistraßigen Anlage können bis zu 40 Tankzüge pro Tag mit Produkten von Schokolade bis zu Bremsflüssigkeiten qualitativ hochwertig innen und außen gereinigt werden. Das Modellprojekt wurde von der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, mit über 90.000 Euro gefördert.
Eineinhalb Jahre Arbeit investiert
Eineinhalb Jahre Arbeit waren diesem Tage vorausgegangen, wie Gudrun Anhalt in ihrer Begrüßungsrede ausführte. Grund für die Veränderung sei die Tatsache gewesen, dass die vor eineinhalb Jahren in Betrieb genommene Kläranlage der Gemeinde Rehm-Flehde-Bargen mit ihren ca. 550 Einwohnern mit den Abwässern aus der "alten" Reinigungsanlage der Spedition Anhalt mit 235 Mitarbeitern und einem Fuhrpark von 170 Tankfahrzeugen hoffnungslos überfordert gewesen sei.
Abwässer an die Kriterien der Kläranlage anpassen
In Planung und Ausführung mit der
Ingenieurgesellschaft Steinburg mbH (IGS) wurde nach Möglichkeiten gesucht, die Abwässer an die Kriterien der Kläranlage anzupassen. Ingenieur Martin
Müßig von der IGS gab einen kurzen Abriss von der Entwicklung und von den Schwierigkeiten. Die hohe Schadstoffkonzentration, die für die Kläranlage eine hohe Belastung dargestellt habe, sei ein großes Problem gewesen, das in den Griff zu bekommen gewesen sei. In der Palette der zu reinigenden Stoffe habe erst einmal geklärt werden müssen, was sich hinter den Namen verbarg, ob sie überhaupt biologisch abbaubar seien, welche Mikroorganismen erforderlich seien und wie viele?
Membran-Anlagen untauglich
So habe man dann den ersten Versuch mit Membran-Anlagen gestartet, die die Feststoffe zurückhielten - vergleichbar etwa einem Kaffeefilter. Doch dieser Versuch sei in der Praxis gescheitert. Das Wasser sei zwar so sauber gewesen, dass es direkt in den Vorfluter habe eingeleitet werden können, doch die Membranen seien schon nach wenigen Minuten verstopft gewesen, der Reinigungsvorgang habe abgebrochen werden müssen. Da eine Tankinnenreinigung jedoch 30 bis 45 Minuten dauere, sei dies nicht die Lösung gewesen.
Mit dem Zwei-Schlamm-System sei man dann auf dem richtigen Weg gewesen. Über verschiedene Klärbecken werden die Abwässer jetzt so aufbereitet, dass das Wasser direkt in den Vorfluter geleitet werden kann und so sauber ist, dass es nicht noch über die Kläranlage laufen muss. Das recycelte Abwasser, das außerdem wieder für die Außenreinigung verwendet werden kann, liege weit unter den gesetzlichen Schadstoffgrenzen.
Kreis Dithmarschen "nicht hinter Paragraphen versteckt"
Müßig lobte aus eigenen Erfahrungen die gute Zusammenarbeit mit dem Kreis Dithmarschen, der sich "nicht hinter Paragraphen versteckte, sondern schnell und unbürokratisch die Voraussetzungen schaffte". Müßig lobte auch das Engagement der Familie Anhalt, da es für ein mittelständisches Unternehmen nicht selbstverständlich sei, eine bundesweite Vorreiterrolle zu übernehmen, da das wirtschaftliche Risiko nicht abschätzbar sei.
Dank und Gratulation an alle, die dieses Pilotprojekt mitgetragen haben
Landrat Dr. Jörn Klimant übergab die Dokumente mit der Bemerkung: "Wohl dem Kreis, der so ein Unternehmen hat. Dank und Gratulation an alle, die dieses Pilotprojekt mitgetragen haben. Eigentlich haben alle gewonnen: Die Region, weil ein wichtiger Arbeitgeber erhalten bleibt und die Gemeinde, weil die Abwasserqualität besser wird." Dr. Wulf
Grimm, Leiter der Abteilung Umwelttechnik der DBU, stellte fest, dass das Unternehmen einen überregionalen Beitrag zum Umweltschutz leiste. Auch für andere Unternehmen dieser Branche könne dieses Pilotprojekt von Bedeutung sein.
Fehlerquote der Reinigungsanlage inzwischen gegen Null
Gudrun Anhalt betonte abschließend, dass die Fehlerquote der Reinigungsanlage inzwischen habe gegen Null gefahren werden können. Das sei nicht zuletzt den Mitarbeitern zu verdanken, die alle an einem Strang zögen.