Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück), die in den Bereichen Umwelttechnik, -forschung und -bildung zur Förderung zukunftsweisender, neuer, um-weltschonender Wege "anstiften" will, ist in ihrem Bemühen im Jahr 1994 einen wesentlichen Schritt nach vorn gekommen. Wie ihr Generalsekretär Fritz Brickwedde anläßlich der Vorlage des Jahresberichtes 1994 betonte, steigerte die Stiftung die Zahl der geförderten Projekte im Vergleich zum Vorjahr von 511 auf 546 - ein bislang noch nicht erreichtes Niveau. Die Bewilligungssumme lag 1994 bei über 213 Millionen Mark und damit nur knapp unter dem Vorjahresniveau (230 Millionen Mark). Damit hat die Stiftung seit Aufnahme ihrer Fördertätigkeit am 1. März 1991 bis zum Ende des Vorjahres insgesamt 1.341 Projekte mit einer Summe von knapp 685 Millionen Mark gefördert. Brickwedde: "Besonders erfreulich ist, daß die kleinen und mittleren Unternehmen das Gros der Antragsteller bilden. Denn die Fortentwicklung der Umwelttechnik mit dem Ziel, den vorsorgenden Umweltschutz voranzutreiben, hängt entscheidend vom Mitwirken der mittelständischen Unternehmen ab. Deshalb muß die hier vorhandene Innovationskraft mit dem Ziel zukunftsorientierter Umweltentlastung gefördert werden."
Förderschwerpunkt neue Bundesländer
Exakt 2.297 Anträge - 79 mehr als im Vorjahr - waren bei der nach der Privatisierung der bundeseigenen Salzgitter AG 1990 durch Gesetz des Deutschen Bundestages gegründeten Deutschen Bundesstiftung Umwelt im Vorjahr eingegangen. Von den 546 geförderten Projekten entfielen fast 55 Prozent auf die neuen Bundesländer, die von Anfang an einen besonderen Schwerpunkt der Fördertätigkeit darstellten. Insgesamt liegt der Förderanteil der ostdeutschen Bundesländer seit Aufnahme der Fördertätigkeit bei knapp 64 Prozent. Schlüsselt man die Anträge nach den Charakteristika der Bewilligungsempfänger auf, wird deutlich, daß im Jahr 1994 mehr als ein Drittel aus dem Bereich Unternehmen, knapp ein Fünftel aus dem Bereich Forschungsinstitute/Universitäten - in der Regel im Verbund mit Unternehmen - und mehr als ein Drittel aus dem Bereich gemeinnütziger und kirchlicher Vereine und Institutionen kamen.
Beteiligung an der EXPO 2000 in Hannover
Im Rahmen der Jahrespressekonferenz der Stiftung ging Brickwedde auch auf einige zentrale Entscheidungen des Jahres 1994 ein. So werde sich die Stiftung an der Expo 2000 'Mensch - Natur - Technik' in Hannover aktiv beteiligen und damit ein Stück weit dazu beitragen, daß die große Vision der Weltausstellung Wirklichkeit wird, globales Forum zu sein für innovative Lösungsansätze und Zukunftsstrategien, die Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen. Vorgesehen sei es, aus dem breiten Fächer von Stiftungsprojekten einzelne auszuwählen und damit den Themenpark der Weltausstellung mitzugestalten, der als inhaltlicher Kern der Weltausstellung den Besuchern die Leitthemen nahebringen solle. Auch bei der Konzeptionierung und Projektierung der Expo-Siedlung, die mit ihren geplanten 2.500 Wohnungen selbst ein städtebauliches Beispiel für Energieeffizienz und Klimaschutz darstellen soll, wolle sich die Stiftung fördernd und beratend einschalten.
Schützenhilfe beim umweltgerechten Aufbau Ost
Weiter baue die Stiftung auch auf ihren erfolgreichen Weg, durch fachkompetente Beratung den neuen Bundesländern beim umweltgerechten Aufbau Schützenhilfe zu leisten. Neben verschiedenen praxisnahen Umweltberatungsprogrammen, die die Stiftung mit einem Volumen von insgesamt rund 50 Millionen Mark fördert, gehe es in einem 1994 verabschiedeten, neuen Beratungsprogramm konkret um die Lösung der Probleme mit der Abwasserbeseitigung in den neuen Ländern. Mit rund 7,1 Millionen Mark aus Stiftungsmitteln habe der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) ein neues "Beratungsbüro Kommunale Infrastruktur" in Berlin aufgebaut, dessen Aufgabe unter anderem darin besteht, einen unabhängigen Pool von Beraterfirmen zu schaffen. Sie sollen durch ihre fachliche Kompetenz Gewähr dafür bieten, daß die Kommunen zu organisatorischen, rechtlichen, technischen und finanziellen Fragestellungen privatwirtschaftlicher und öffentlich-rechtlicher Lösungen für die Abwasserbeseitigung fundiert Auskunft erhalten.
Belohnung für vorbeugenden Umweltschutz
Gemeinden, die bereits bei der Planung von Neubaugebieten die Voraussetzungen für neuartige, umweltfreundliche Technologien im Bereich der Energieversorgung und -anwendung, Verkehrsplanung und Regenwassernutzung schaffen, erhalten die Chance, für ihre umweltvorsorgenden Maßnahmen belohnt zu werden. Für die Detailplanung von insgesamt zehn Konzepten werden durchschnittlich 100.000 Mark zur Verfügung gestellt.
Kohlendioxid-Belastung aktiv reduzieren
Ziel der modellhaften, ökologisch orientierten Planung von Neubaugebieten seien "insbesondere die Ressourcenschonung durch Verminderung des Energie- und Trinkwasserverbrauchs, Kohlendioxidentlastungen durch den Einsatz erneuerbarer Energien sowie umweltentlastende und bürgerfreundliche Verkehrskonzepte", so Brickwedde. Um diese Ziele zu erreichen, sehe die Stiftung konkrete Ansätze in den Bereichen, in denen etwa der Einsatz lokal verfügbarer, erneuerbarer Energien wie Biomasse und solare Nahwärme vorgesehen sei und dadurch die Kohlendioxid-Belastung reduziert werde.
Umweltschutz in Auto-Werkstätten
Das Kuratorium der Stiftung beschloß, dem Zentrum für Umweltschutz und Energietechnik der Handwerkskammer Düsseldorf für die Entwicklung eines Beratungs- und Schulungskonzeptes zu den Schwerpunktbereichen Abfallvermeidung, -verwertung und -entsorgung sowie zum Umgang mit Gefahrstoffen einen Betrag von knapp 850.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Damit sollten Deutschlands Kfz-Handwerksbetriebe für den ständig steigenden Bedarf nach Beratung und Schulung im Umweltsektor fit gemacht werden.
Zusätzliche Förderung für den wissenschaftlichen Nachwuchs
Die Stiftung wolle der großen Zahl von Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet mit Blick auf neue Stipendien im Umweltbereich Rechnung tragen und zusätzliche Fördermöglichkeiten für den wissenschaftlichen Nachwuchs schaffen. Deshalb beschloß das Kuratorium 1994, das erfolgreiche Stipendienprogramm fortzusetzen und mit einem Fördervolumen von rund 16,5 Millionen Mark zunächst für die nächsten fünf Jahre 250 neue Stipendien zu vergeben. Bereits seit Anfang 1992 arbeitet die Stiftung mit diesem Stipendienprogramm, wobei bei einem Finanzvolumen von insgesamt 8,25 Millionen Mark in einer ersten Phase bis Ende 1994 knapp 100 Stipendien für Doktoranden vergeben worden waren, allerdings ausschließlich in den neuen Bundesländern. Mit der nun eingeleiteten zweiten Phase des Stiftungs-Stipendienprogramms sollten ab 1996 auch die alten Bundesländer in diese Fördermaßnahme zum Schutz der Umwelt einbezogen werden.
Den höchstdotierten Umweltpreis Europas zum zweiten Mal vergeben
Zum zweitenmal vergab die junge Stiftung auch ihren mit einer Million Mark höchstdotierten Umweltpreis Europas. 1994 wurden das ökologische Musterdorf Wulkow in Brandenburg, die Ozonforscher Professor Dr. Paul J. Crutzen und Dr. Frank Arnold sowie die Umweltinitiativen der ostwestfälischen Wirtschaft mit dem Preis bedacht.
1.500 Projekte mit insgesamt 700 Millionen Mark gefördert
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert nach den Worten ihres Generalsekretärs die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreiz für ökologische Innovationen in diesen Betrieben. "Die Umweltstiftung setzt durch die Förderung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Produkte und Produktionsverfahren auf einen vorbeugenden und integrierten Umweltschutz. Sie mindert das Einstiegsrisiko für Unternehmen in umweltschonendere Produktionstechniken und fördert, was die Umwelt direkt und praktisch schützt." Gleichzeitig unterstützt sie Kooperationsprojekte in der Anwendung von Umwelttechnik und den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen öffentlichen oder privaten Stellen. Modellhaft werden auch, so Brickwedde, national wertvolle Kulturgüter im Hinblick auf schädliche Umwelteinflüsse bewahrt und gesichert. Seit Gründung der Stiftung wurden rund 1.500 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 700 Millionen Mark gefördert.
Der Jahresbericht kann bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, 49090 Osnabrück, An der Bornau 2, Telefon 0541/9633-0, Fax 0541/9633-190, kostenlos bestellt werden.