06.07.2006 | "Ich möchte Sie als Partner der deutschen Umweltpolitik gewinnen"

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel stattete Deutscher Bundesstiftung Umwelt am 6. Juli Besuch ab

Gabriel Besuch
Erster Besuch des Bundesumweltministers bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU): DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde (r.) informierte heute Bundesumweltministers Sigmar Gabriel (l.) und Bundestagsabgeordneten Dr. Martin Schwanholz über die Arbeitsschwerpunkte der weltweit größten Umweltstiftung.
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Osnabrück/Berlin. "Wenn es die DBU nicht gäbe, man müsste sie heute erfinden. Ich finde Ihre Arbeit phantastisch und möchte Sie als Partner der deutschen Umweltpolitik gewinnen: als engen Spielpartner auf gleichem Spielfeld." - Sigmar Gabriel zog am 6. Juli mit diesen Worten ein Fazit seines ersten Besuchs bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück nach seiner Ernennung zum Umweltminister im November 2005. Eine Stunde hatte er sich von wissenschaftlichen Mitarbeitern der größten Umweltstiftung der Welt und ihrer Geschäftsführung die inhaltlichen Schwerpunkte der Fördertätigkeit erläutern lassen. Dabei standen DBU-Kernbereiche wie die geplanten Aktivitäten zur energetischen Sanierung des Gebäudebestandes in Deutschland, die Stiftungsprojekte zum wirkungsvollen Energieeinsatz, ihre Umwelt-Medienprojekte, aber auch die Themenkomplexe Biotechnologie und Naturschutz sowie die geförderten Umweltbildungseinrichtungen im Mittelpunkt.

Umweltentlastende Modellprojekte zu fast 98 Prozent erfolgreich

DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde war eingangs auf die wirtschaftlichen Eckdaten der DBU eingegangen. Das Stiftungskapital, das sich bei Aufnahme der Tätigkeit auf 1,28 Milliarden Euro belief, liege inzwischen bei knapp 1,68 Milliarden Euro, womit die Inflationsverluste der vergangenen 15 Jahre hätten ausgeglichen werden können. Gleichwohl habe die Stiftung fast 1,2 Milliarden Euro in 6.300 innovative, umweltentlastende Modellprojekte gesteckt, die zu fast 98 Prozent erfolgreich gewesen seien. Das sei ein für eine auf Innovationsförderung mit all ihren Risiken zugeschnittene Stiftung ein enorm guter Wert.

Hauseigentümer in Deutschland von den Vorteilen einer energetischen Gebäudesanierung überzeugen

Zu den inhaltlichen Schwerpunkten führten die DBU-Experten unter anderem aus, dass die energetische Gebäudesanierung in den kommenden Jahren besonders im Blickpunkt der Förderarbeit stehen werde. Da das Heizen von Gebäuden etwa ein Drittel des Energiebedarfs in Deutschland schlucke, müsse einer umweltentlastenden Sanierung gerade des alten Gebäudebestandes ein besonderes Augenmerk geschenkt werden. In einem großen Kommunikations- und Beratungsprogramm etwa sollten die rund zehn Millionen Hauseigentümer in Deutschland von den ökonomischen und ökologischen Vorteilen einer energetischen Gebäudesanierung überzeugt werden. Sie sollten dabei praktisch, transparent und seriös bis zum erfolgreichen Abschluss der Baumaßnahmen begleitet werden.

Mit herkömmlichen Energieträgern sparsamer und rationeller umgehen

Eine möglichst wirkungsvolle Nutzung von Energie sei ohnehin das Gebot der Stunde. Und das schlage sich auch in über 700 Stiftungsprojekten nieder, die die DBU hier mit über 100 Millionen Euro unterstützt habe, betonte Brickwedde. Untersuchungen belegten, dass sich bis zur Hälfte des aktuellen Energieverbrauchs einsparen ließe, ohne auf die gewünschten Leistungen verzichten zu müssen. Neben der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien wie Sonne, Wasser, Wind, Biomasse und Erdwärme müsse deshalb mit herkömmlichen Energieträgern sparsamer und rationeller umgegangen werden, forderte Brickwedde.

Im Naturschutz 740 Projekte mit 144 Millionen Euro durch DBU gefördert

Vorgestellt wurden von den DBU-Experten auch weitere Schwerpunkte der Stiftungsarbeit. So hat die DBU in den vergangenen 15 Jahren in der Biotechnologie 270 Projekte mit rund 90 Millionen Euro gefördert; 160 Millionen Euro Projektmittel finanzierte die Industrie. Im Naturschutz waren es 740 Projekte mit 144 Millionen Euro. Fast 50 Umweltbildungseinrichtungen wurden mit 60 Millionen Euro unterstützt.

Gabriel: "Wir brauchen Leute, die uns vors Schienbein treten"

Gabriel unterstrich die Bedeutung des technologischen Fortschritts für eine zukunftsfähige Entwicklung in der Welt und die wichtige Bedeutung Deutschlands in diesem Prozess. Mit Skepsis gegenüber Technologie und Warnungen sei es nicht getan. Gabriel: "Man kann aus der Atomindustrie aussteigen, nicht aus der Industriegesellschaft." Die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Stiftung forderte er auf: "Fordern Sie von der Politik, dass wir zur Kenntnis nehmen, was Sie an Ergebnissen Ihrer Arbeit haben." Und mit einem Lachen weiter: "Wir brauchen Leute, die uns vors Schienbein treten, am Anfang vielleicht freundlich..."