DBU aktuell Nr. 7 | 2016

Informationen aus der Fördertätigkeit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt

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Die Träger des Deutschen Umweltpreises 2016 (v. l.): Bas van Abel, Prof. Dr.-Ing. Angelika Mettke, Walter Feeß
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Philosophie des Umweltpreisträgers Bas van Abel: »Erst wenn wir beginnen, das System dahinter zu verstehen, können wir es herausfordern, mit­bestimmen und verändern.«
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Bauschutt
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1.) Fairphone-Gründer und Baustoffrecycling-Experten erhalten Deutschen Umweltpreis

Ein Signal setzen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Rohstoffe, damit die Lebensgrundlagen des Planeten Erde erhalten bleiben, auch für zukünftige Generationen: Das ist ein zentrales Ziel, das die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit der Verleihung ihres Deutschen Umweltpreises 2016 erreichen will. »Repräsentative Forschungen zeigen, dass wir die Erde schon jetzt über ihre Belastungsgrenzen hinweg strapazieren«, mahnte DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann. Jedes Jahr werde der sogenannte »Welterschöpfungstag« früher erreicht. An diesem Tag seien alle Ressourcen verbraucht, die die Erde in dem betreffenden Jahr ersetzen könnte. Bottermann: »Wir brauchen kreative Wegbereiter, die uns zeigen, wie wir einen Wandel erreichen können.« Die Umweltpreisträger seien solche Vorkämpfer: Am 30. Oktober werden in Würzburg der Unternehmer Bas van Abel (39, Amsterdam) sowie die Wissenschaftlerin Prof. Dr.-Ing. Angelika Mettke (64, Cottbus) und der Unternehmer Walter Feeß (62, Kirchheim/Teck) den höchstdotierten Umweltpreis Europas aus der Hand von Bundespräsident Joachim Gauck in Empfang nehmen. Der Preis ist mit insgesamt 500 000 Euro dotiert.

Pioniere für eine nachhaltige Nutzung von wertvollen Ressourcen
Die Lebensgrundlagen, die uns unser Planet bietet, sind nur begrenzt vorhanden. Mit der Nutzung von Rohstoffen muss deshalb verantwortungsvoll umgegangen werden. Alle drei Umweltpreisträger sind in ihrer Branche Pioniere für eine nachhaltige Nutzung von wertvollen Ressourcen. Bas van Abel, Gründer und Geschäftsführer von Fairphone B.V., findet in der Informations- und Kommunikationsbranche neue Wege, um dem übersteigerten Verbrauch von Handys und Smartphones entgegen zu treten. Prof. Dr.-Ing. Angelika Mettke von der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg und Walter Feeß, Geschäftsführer der Heinrich Feeß GmbH & Co. KG, treiben den Einsatz von wiederverwertbaren Betonteilen und Recycling-Beton voran. In beiden Branchen zerstört der Abbau der Rohstoffe flächendeckend wertvolle Lebensräume. Und in beiden Branchen gebe es Möglichkeiten, diesen Verbrauch zu drosseln – und damit Lebensräume zu erhalten –, indem auf einen längeren Lebenszyklus der Produkte gesetzt werde, so Bottermann.

Wandel beim Umgang mit Smartphones nötig
»Beim Umgang mit Handys und Smartphones, von denen es mehr auf der Erde gibt als Menschen, brauchen wir dringend einen Wandel«, so Bottermann. »Jedes Gerät ist mit wertvollen und vielfach nur unter großen Umweltbelastungen zu gewinnenden Metallen und Komponenten bestückt. Die meisten werden aber nach wenigen Jahren ausgemustert oder weggeworfen, obwohl sie noch voll funktionstüchtig sind.« Zudem sei es oft gar nicht möglich, die wichtigsten Komponenten wie Akku oder Display auszutauschen, weil sie nicht reparaturfreundlich konstruiert und gebaut seien. Anders sei es beim Fairphone. Das gleichnamige Unternehmen sei ein »Social Enterprise«. Es verfolge das Ziel, ein ethisch vertretbares Smartphone mit möglichst geringem Schaden für die Umwelt und ohne Ausbeutung von Menschen herzustellen. Zugleich sollen die zugehörigen Produktionssysteme transparent und Probleme sichtbar gemacht werden.

Fairphone: Gesamte Wertschöpfungskette im Blick
»Für die gesamte Wertschöpfungskette hat Fairphone Strategien entwickelt, um die derzeit vorherrschenden Bedingungen zu verbessern«, sagt Bottermann. Einzelbauteile seien austauschbar, so dass Rohmaterialien durch längere Lebenszyklen geschont und Kreisläufe zum Beispiel durch Recycling geschlossen werden. Und weiter: »Das Unternehmen verbessert stetig den Herstellungsprozess, um nach und nach die Materialien und die Geräte sowie die Zusammensetzung der Kosten transparenter zu machen. Sozial-, Arbeitsschutz- und Umwelt-Standards sollen vor Ort verbessert werden, damit die Menschen in Konfliktregionen zu fairen Konditionen beschäftigt werden und der Einfluss auf die Umwelt so gering wie möglich ausfällt.«

Kreislaufwirtschaft im Bauwesen: Verwerten vor Deponieren
In einer ganz anderen Branche wirken die beiden anderen diesjährigen Umweltpreisträger: »Sie haben eingefahrene Strukturen in der Rohstoffwirtschaft durchbrochen und dem Grundsatz ‚Verwerten vor Deponieren‘ eine neue Qualität verliehen. Mettke und Feeß gelten als aktive Mitstreiter der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen und sind damit nicht nur Vorbilder, sondern auch Vorreiter für eine gesamte Branche. Sie haben Beton, den Baustoff des 20. Jahrhunderts, auf bemerkenswerte Weise umweltverträglicher gemacht.« So würdigte der DBU-Generalsekretär die Preisträger Mettke und Feeß.

Mettke und Feeß lenken Rohstoff­verbrauch in nachhaltige Bahnen
Die wachsende Weltbevölkerung, der steigende Lebensstandard und der sorglose Umgang mit Ressourcen haben dazu geführt, dass Rohstoffe immer knapper werden. Hinzu komme das Problem des Flächenverbrauchs: »Für konventionellen Beton werden Schotter und Kies in großen Gruben abgebaut. Der Flächenverbrauch ist immens und hinterlässt karge Landschaften, die aufwendig für die Natur wieder hergestellt werden müssen. Außerdem gehen wertvolle land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen verloren. Altbeton aus Abbruch-Bauten für Recycling-Beton zu verwenden, ist ein wichtiges Standbein, um den Flächenverbrauch einzudämmen und Deponien zu entlasten«, so Bottermann. Kiesgruben liegen außerdem nur selten in den Siedlungsgebieten, wo der Beton benötigt wird. Dies bedeute lange Transportwege zwischen Abbaugebiet und Baustelle. Schon bei einer Fahrstrecke von 40 Kilometern könne rein rechnerisch die Klimabelastung einer Kleinstadt mit 35 000 Einwohnern eingespart werden. Bottermann: »Durch ihren ausdauernden Einsatz für das Baustoffrecycling ist es den diesjährigen Umweltpreisträgern Mettke und Feeß gelungen, den Rohstoffverbrauch auf ein unerlässliches Maß zu reduzieren. So leisten sie kontinuierlich einen großartigen Beitrag zum Schutz unserer Ressourcen und zum Klimaschutz.«

Mettke verbindet modernes Bauen und nachhaltigen Umweltschutz
Bottermann konkret: »Professorin Angelika Mettke verbindet modernes Bauen und nachhaltigen Umweltschutz in einer bemerkenswert engagierten Weise. Selbst zu einer Zeit, als sparsamer Umgang mit Rohstoffen noch keine nennenswerte Rolle spielte, vertrat sie ihr Anliegen hartnäckig und machte Umweltprobleme aus Abriss- und Rückbauprozessen für eine breite Öffentlichkeit zugänglich. Mit Mut, Ehrgeiz und Sachverstand überzeugt sie auch heute noch so manchen Skeptiker. Ihrem vorausschauenden Wirken ist es zu verdanken, dass Stoffkreisläufe neu gestaltet wurden und viele neue qualifizierte Arbeitsplätze entstanden sind.«

Feeß: Mit unternehmerischem Mut Verantwortung übernehmen
So wie die promovierte Bauingenieurin gelte auch der Unternehmer Walter Feeß als Wegbereiter für Recycling-Beton. »Das Engagement speist sich wesentlich aus seiner tief empfundenen Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen und hat damit unternehmerisches Handeln zur Folge, das nicht immer rein gewinnorientiert ist«, so Bottermann. Doch dass sich dieser unternehmerische Mut auszahle, spiegele der Erfolg seines florierenden Sekundärrohstoffhandels wider.

Mit zukunftsfähigen Visionen im Wettbewerb führend sein
»Wir sehen es als wegweisend an, wenn Wissenschaftler und Unternehmer genauso wie Politiker und Verbraucher Fragen nach der Herkunft, der Herstellung und der Kreislaufwirtschaft stellen und versuchen, an den Systemen etwas zu ändern, zu verbessern«, so Bottermann. Es gehe um nichts weniger als darum, dass es nur mit neuen Perspektiven gelingen werde, Mitte des Jahrhunderts neun Milliarden Menschen auf der Erde lebenswert zu versorgen. Und dass insbesondere Unternehmer, die solche zukunftsfähigen Visionen früh umsetzten, im Wettbewerb führend sein werden.

 


 

Auch als Livestream:

»Symposium: Die Umsetzung des Klimaabkommens von Paris: Stimmt die Richtung?«     
29. Oktober 2016, 13 bis 17 Uhr auf: www.dbu.de

Die Verleihung des Deutschen Umweltpreises 2016:
»Festakt Deutscher Umweltpreis«    
30. Oktober 2016, 11 bis 13 Uhr auf: www.dbu.de und www.3sat.de/nano